FeedJohanna d’ Arc
GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Johanna d’ Arc, Sonst genennet Pucelle d’Orleans, Sybilla Lotharingica, oder Puella Aurelianensis, ein Weibesbild, das vor vielen andern merckenswürdig ist. Sie war gebohren unweit Tull in Lothringen auff dem Dorffe Damremy an der Maas als eine Bauer-Magd, so in ihrer Jugend die Schaafe gehütet, und hernachmahls solche Thaten verrichtet, die fast unglaublich scheinen. Denn sie nahm ihr vor Franckreich von der Engelländer Dienstbarkeit zu erledigen, sagte, sie wäre von GOtt gesendet, dem Könige Carolo VII. in Franckreich zu helffen. Daher commandirte sie die Armee und befreyete mit ungemeiner Tapfferkeit An. 1429. die von den Engelländern hart bedrängte Stadt Orleans von der Belagerung, weswegen ihr die Einwohner zu Ehren ein Monument von Ertz auff der Brücken auffgerichtet, so noch heutiges Tages zu sehen. Ihre fernern großmüthigen und Helden-Thaten, wie sie nehmlich hernachmahls gantz Champagne erobert, Carolum VII. zu Reims kröhnen lassen, wie sie vor Paris verwundet, in einem Ausfall aus der Stadt Campiegneso, so sie auff den Feind gethan, gefangen, als eine Zauberin und Hexe angeklaget und An. 1430. zu Roan lebendig verbrandt worden, ist weitläufftig in dem Engelländischen Floro pag. 198. seq. und in denen Dissertationibus de Sibylla Francia, so aus der Bibliothec des gelehrten Melchioris Goldasti zu Franckfurt gedruckt worden, nachzulesen. Kippingus in seiner Histor. Universal. l. 13. c. 4. § 6. p. 319. nennet sie Amazonam Gallicam und Bussier in Historia Francica Lib. 12. schreibet, es wäre bey ihrem Supplicio eine weisse Taube aus dem Feuer geflogen, und hätte sich gen Himmel geschwungen, woraus er ihre Unschuld erweisen will. Vignie rius meynet in einer Epistel an Grammontium, es wäre diese Johanna nicht, sondern eine andere an ihrer Stelle verbrandt worden, indem sie sich aus der Engelländer Händen durch die Flucht gerissen, und sich unter dem Nahmen Clau diæ an einen Engelländischen Ritter Robertum des Armoises verheyrathet, und will er solches aus einem Manuscripto, welches sein Bruder zu Metz gefunden, gründlich beweisen. Uber dieses sind unterschiedene Meynungen der Gelehrten von ihren Thaten, etliche schreiben solche einer Melancholie, Vid. Becmannum in Hist. Orbis Terr. Geographic. P. II. c. 3. p. 292. etliche einer Zauberey, wie die Engelländischen Judices, so sie deswegen A. 1430. verbrennen liessen, andere aber einer Betrügerey zu. Vid. Just. Lipsium in not. ad Politic. l. 1. c. 3. & Dominum de Langeii l. 3. d. disciplina militari c. 3. da hingegen auch unterschiedene solches als divina Miracula nicht genug zu rühmen wissen. Vid. Paschasium l. 6. Recherches de la France c. 4. & 5. Delrio in Disquisitionib. Magic. l. 4 c. 1. quæst. 3. Sonsten soll sie viele Gespräche mit denen Feis oder Aloinen, sonst weise Frauen oder Witte Vrouen genennet, gehabt haben, welche sie vor die H. Catharinam und Margaretham ausgegeben, so ihr alles, was sie reden und thun solte, offenbahret hätten. Johannes Hordolius und Valerandus Varanni haben in besondern Büchern ihre Historie weitläufftig beschrieben, absonderlich Mr. Chapellain, der so lange, als er über ihrer Historie schrieb, eine Pension bekahm, und dahero über deren Ansarbeitung viel Jahre zubrachte. Voetius Disput. Sel. Vol. 3. p. 515. zehlet sie unter die thörichten und vom Teuffel betrognen Weiber, dem D. Feustking in Gynæc. Hæretic. Fanatic. p. 137. seqv. scheinet recht zu geben.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 932–934Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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