Schencken oder im Spiel logiren, Ist ein dem Frauenzimmer bekanntes und sehr gebräuchliches Spiel, da nehmlich unter einer in einem Creyß herum sitzenden Gesellschafft der Nachbar zur rechten Hand einem Frauenzimmer etwas heimlich in ihr Ohr schencket, und solches in der Mitten sitzende Frauenzimmer ihren Nachbar znr lincken Hand heimlich fraget, wohin er es logiren will; wenn nun das Schencken in der gantzen Compagnie herum gegangen, so erzehlet iedwede Person öffentlich, was ihr von dem Nachbar zur rechten Hand geschencket worden, und meldet anbey, wohin es von dem Nachbar logiret worden, da denn öffters gar eine artige und kurtzweilige Connexion heraus kömmt.
Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1710–1711Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0