FeedAria
AllerleiRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Aria, Kömmt von aêr, Lufft, her, weil aller Klang und Gesang eine Wirckung der bewegten Luft, und eine schöne Melodie mit nichts angenehmers, als mit einer süssen frischen Lufft zu vergleichen ist, auch gleiche, wo nicht grössere Erqvickung führet. Sie ist ein wohleingerichteter Gesang, der seine gewisse Ton-Art und Zeit-Maasse hat, sich gemeiniglich in 2 Theile scheidet, und in einem kurtzen Begriff eine grosse Gemüths-Bewegung ausdrucket. Bisweilen schliesset man mit dem wiederholten ersten Theile, bisweilen ohne denselben. Bey der Jnstrumental-Music hat man Arien mit u. ohne Verdoppelungen, sonst auch Partite oder Doubles genannt. Sie ist gemeiniglich eine kurtze, in zwey Theile unterschiedene, singbare schlechte Melodie, welche mehrentheils darum nur so einfältig aufgezogen kömmt, daß man sie auf unzehlige Art kräuseln, verbrämen und verändern möge, um dadurch seine Faust-Fertigkeit sehen zu lassen; iedoch müssen die Grund-Gänge beybehalten werden. Diese Spiel-Arie hat sowohl auf dem Clavier, als auf allerhand andern Jnstrumenten Platz; der Affect läufft auf eine Affectation hinaus. Bey der itzigen Einrichtung der Arien hat der Poet dahin zu sehen, daß er in ieder Zeile wo nicht einen vollkommenen, doch einen halben Verstand (Sensum) anbringe; und der Componist, daß er nicht iede Zeile, worinne kein besonderer Nachdruck ist, viel weniger ein eintzeles Wort unnöthig wiederhole, oder eine Clausel mache, wo kein völliger Verstand verhanden, oder die Jnstrumente alleine zwischen dem Texte allzulange fortgehen lasse.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 59–60Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Allerlei 6