Beschehlen, Beschellen, Heißt, wenn der Hengst zum Mutter-Pferde oder zur Stute gelassen, und diese von jenem besprungen wird. Dieses pfleget auf zweyerley Art zu geschehen, entweder durch das freye Beschellen, oder durch das Beschellen von der Hand aus. Das Beschellen von der Hand aus ist, wenn man den Bescheller nicht frey, sondern mit der Halffter gezähmt, auf die Stute, welche gleichfalls mit Stricken und Riemen gespannet ist, unter Beyhülfe des Stuten-Meisters oder Hengst-Mannes, und der Stall-Knechte, förmlich springen läßt. Diese Art hält man für weit besser als das freye Beschellen. Denn erstlich kan man zu einer ieden Stute einen Bescheller lassen, welchen man will; so sich beym Ein- oder Unterlauffen nicht thun lässet. Ferner kan man einen Bescheller schonen, daß er sich nicht abarbeite und ablauffe, sondern daß er seine Sprünge thue so vielmal und wenn man will. Weiter können die Bescheller auch besser gewartet werden mit Essen, Trincken und sonst allerley guten Pflege, deren sie zur Zeit des Beschellens sonderlich vonnöthen haben. Sodenn kan hierdurch auch verhütet werden, daß die Stuten die Bescheller nicht schlagen, oder ihnen sonst Schaden zufügen; denn siehet man, daß eine Wilde den Bescheller nicht gerne leiden will, kan man ihr die hintern Füsse an die vördern spannen, und alsdenn den Hengst ohne alle Gefahr zulassen. Hierbey ist aber wohl Acht zu haben, ob auch die Stute, so man belegen will, struttig und geschickt dazu sey; denn wo dieses nicht ist, so wird auch der Sprung vergebens seyn. Die andere Art, oder das freye Beschellen, oder Einlauffen, heisset, wenn ein Hengst unter den Stuten so lange herum lauffen und sie bespringen darf, bis diese jenen nicht mehr achten. Denn der Augenschein selbst giebt, daß der Hengst oftermals von den Stuten geschlagen, auch zuletzt dahin gebracht werde, daß er sich der Stuten gar nicht mehr annehmen, und wenn er schon gerne steigen wollte, aus Furcht der Streiche, die er von ihnen bekömmt, nicht zu ihnen sich nahen darf. Absonderlich aber wollen diejenigen, so jungen haben, den Bescheller nicht zu sich lassen; daraus denn folget, daß dieselben Stuten erst späte roßig oder struttig werden, und des Beschellers begehren, und daher auch späte Füllen fallen, welche man nicht für gut hält. So befindet sich auch, daß sich der Bescheller oftmals in eine Stute verliebet, derselben stets anhänget und nachläufft, die andern aber unbedient gehen läßt; wodurch denn viel Stuten unbeschellet bleiben, welches bey einer Stuterey kein geringer Schade ist. Ja es lauffen sich die Bescheller auf der Weide ab, fressen nicht, und treiben die Wilden oder Stuten stets zusammen, steigen auch mehr und öfters, als ihnen gut ist, dadurch sie sehr von Kräfften kommen, und ihr Steigen daher desto nichtiger und kraftloser wird; welches alles eine Ursache ist, daß sie nicht lange dauren oder zu gebrauchen sind, sondern gerne blmd, krumm und lahm werden. Die Beschellungs-Zeit anlangend, ist der Frühling die beqvemste Zeit hierzu, und zwar etwan 8 Tage nach der Tag- und Nacht-Gleiche, nemlich vom Ausgange des Mertzens bis gegen Ausgang des Mayes, iedesmal zwischen dem Neu- und Vollmond. Denn weil eine Stute 11 Monat und 10 Tage, oder doch nicht viel weniger zu tragen pflegt; so kan das Füllen auf der frischen Weide von seiner Mutter desto besser ernehret werden, und den Antritt seines Wachsthums mit mehrerem Vorschub fortsetzen und ausführen.