FeedChor-Ton
MusikRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Chor-Ton, Gehet einen gantzen Ton tieffer, als der Cammer-Ton: Wird Chor-Ton genennet, weil er im Chor und in der Kirchen, im Singen und Musiciren gebraucht wird; und zwar eines theils, um der Sänger willen, welche, wo der Cammer-Ton solte so lange angestimmet werden, nicht dauren könten, sondern um der Höhe wegen, heischere Stimmen bekommen würden: Andern theils, weil der tieffe Ton in der Kirche andächtiger und anmuthiger gehet, da sonderlich die menschliche Stimme sich nicht so erheben, und folglich nicht so laut schreyen darf. Wiewol man auch die meisten Orgeln nach dem erhöheten Ton, nemlich dem Cammer-Ton stimmet, und dennoch Chor-Ton nennet. Der Chor-Ton war also vor diesem um eine tertiam minorem tieffer, als der itzge Cammer-Ton. Weil aber dieser tieffe Ton, in Zusammenlaut vieler Jnstrumenten gar schwach gehet, ist er fast abgegangen, und die heutigen beyden geblieben. Jst daher der rechte Cammer-Ton, der sich von C in der Tieffe anhebet, als von dem Clave, den ein rechter Baßist in einer Fürstlichen Capelle mit voller Stimme erreichen kan. Einige kommen zwar tieffer herunter, allein es ist kein völliger Laut nicht mehr. s. Cammer-Ton.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 352Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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