FeedCoupé
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Coupé, Jst einer von den sechs Universal-Pas in der Tantz-Kunst, woraus nachgehends die 3 Haupt-Pas zusammen gesetzet werden. Er hat seinen Nahmen von dem Schneiden oder Spalten entlehnet, und bedeutet einen durchschnittenen gebrochenen, oder vielmehr gebogenen Schritt; daher auch Coupiren brechen oder beugen heißt. Dieser Bruch oder Durchschnitt bestehet eigentlich aus dem Plié, Beugen, und Elevé, Heben oder Strecken der Knie, welches die Frantzosen le pli du jarret, eine Kniebeuge nennen, und wird auf zweyerley Weise, als halb und gantz, verrichtet. Von der ersten Art, Frantzösisch Demi-Coupé genannt, wird unter diesem Worte mehrers vorkommen. Die gantze Coupé bestehet aus 2 differenten Schritten, und wird auf folgende Arten gemacht: Das erste Tempo, wenn man dem Leibe auf dem nicht allzuweit vor dem rechten stehenden lincken Beine die Balance gegeben, und zugleich den hintern rechten Fuß mit dem Absatze von der Erden gehoben hat; so beuget man 1) mit beyden Knien zugleich, und 2) avanciret man unter währen dem Beugen mit dem rechten Fusse bis neben an den lincken, und das ist Pas plié. Bey dem andern Tempo wird 1) coupiret, und der rechte Fuß gebogen von der Erden entfernet vollends fortgeführet, und 2) etwas stärcker gehoben, als bey der halben Coupé, und dieses ist das Pas elevé. Jn dem 3ten Tempo wird 1) der lincke Fuß im Heben bis zu des rechten Ferse geführet, und 2) von da an auf der Spitze vorwerts geführet; und ist der Pas glissé. Es wird die gantze sowol als halbe Coupé beydes mit dem lincken als rechten Beine; sowol vorwerts, hinterwerts, als lincker und rechter Hand seitwerts formiret; der zweyte Schritt nicht allemal gestrichen, sondern vielmals als ein Pas ordinaire; als ein Pas jetté sans sauter, und daher Coupé à deux Mouvements genennet; ja er wird ferner als ein Pas tortillé, als ein Rond de jambe einwerts; als ein Pas battu; als ein Pas assemblé, emboêtté &c. gemacht. Wie man denn die Coupé 106 mal verändert findet. Gleichwie nun die halbe und gantze Coupé durch Schärfe und Sänftigung mercklich von einander unterschieden sind, und nachdem sie mit Schritten und andern Motionen accompagniret werden, unterschiedene Grade haben: Also könten über diese beyde Gattungen von Mouvement, wenn man in diesem Beugen und Heben bey dem Schritte durch die Schärfe Stuffenweise höher steigen wollte, noch 3 andere verschiedene höhere Grade angewiesen werden: 1) Wenn der Schritt gebogen fortgehet, und am Ende mit stärckerm Strecken auffället, also daß in selbiger Zeit der andere Fuß zugleich in die Luft kömmt. 2) Wenn der eine Fuß schon in der Lufft ist, und der andere indessen durch Beugen und noch stärckeres Strecken den Leib in die Luft wirft, und der springende Fuß eher als der andere wiederum auf die Erde fället, und also einen ziemlichen Sprung macht. 3) Wenn man sich durch Beugen und Heben mit beyden Füssen in die Lufft schwinget, und daselbst einige Schritte formiret, ehe man wieder auf die Erde fället.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 437–439Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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