FeedEquites Johannitici
ReligionRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Equites Johannitici, Die Johanniter, Rhodiser oder Malteser-Ritter, sind heutiges Tages die berühmtesten in der Welt, und haben seltsame Fata ausgestanden. Denn als die Türcken und Ungläubigen 1012 das gelobte Land eingenommen, und gleichwol den Tempel des heiligen Grabes zu Jerusalem unversehret stehen liessen, haben die Kaufleute von Amalfi, zu Ehren Gottes, und der Heiligen Jungfrau Maria, ein Kloster unter dem Nahmen St. Maria de Latinis dahin erbauet, dessen Münche eine Capelle dazu gefüget, und dem Heil. Johanni Baptistæ geweihet, um die Pilgrimme aufzunehmen. Hierauf wurden sie von Godofredo und Balduino nach Wieder-Eroberung der Stadt Jerusalem, mit reichen Einkünfften versehen, und ihnen Städte und Schlösser anvertrauet, weil sie sich nebst den Tempel-Herren zu Beschirmung des heiligen Landes gebrauchen liessen, wiewol sie es im Anfang bey weitem nicht so hoch, als jene bringen können. Jm XII Seculo fieng der Orden eigentlich recht an, doch musten sie Anno 1187, als Jerusalem an den Sultan Saladin übergieng, nach Margat, von dar Anno 1192 nach Acri oder Ptolomais, wiederum Anno 1291 nach Limisso in Cypern sich retiriren. Von dar wandten sie sich 1380 nach Rhodis, jagten den 15 Aug die Saracenen aus selbiger und noch 7 andern beyliegenden Jnseln, welche ihnen aber 1523 vom Türckischen Kayser Soliman sämtlich wieder abgenommen worden. Darauf wanderten sie etliche Jahre nach Rom, Viterbo, Conetto, Villafranca und Nizza, bis ihnen endlich Kayser Carl V Anno 1530 den 24 Mart die Jnsel Malta mit der Bedingung übergeben, daß sie beständig wider die Türcken und See-Räuber fechten, den König in Spanien, als König in Sicilien, vor ihren Lehn-Herrn erkennen, und ihm zur Danckbarkeit jährlich einen Falcken schicken solten. Jhr Oberhaupt nennet sich einen Großmeister des Heil. Hospitals zu St. Johann von Jerusalem und Gardian der Armen Jesu Christi. Der Orden bestehet aus Rittern, Capellänen und Servienten, und wird in 8 Zungen oder Nationes eingetheilet, welche sind 1) die von Provence; 2) die von Auvergne; 3) die von Franckreich oder Paris, deren Groß-Prior ist seit 1719 der Ritter von Orleans, des letztverstorbenen Regenten von Franckreich hinterlassener natürlicher Sohn; 4) die Jtaliänische; 5) die Aragonische; 6) die Englische, die seit Anno 1537 nicht mehr üblich gewesen; 7) die Deutsche, welche auch die Böhmen, Hungarn, Pohlen, Dänen, Schweden, Croaten und Dalmatier unter sich begreiffet; und 8) die Castilianische, unter welcher auch Leon, Portugall, Algarbien, Granada, Toledo, Gallicien und Andalusien stehen. Der Großmeister führet den Titel der Eminenz wie die Cardinäle, und die hohen Aemter des Ordens sind folgende: Nemlich der Groß-Commenthur, der aus der Zunge von Provence erwehlet wird; der Marschall, welcher das Haupt der Zunge von Auvergne ist; der Hospitalier, als das Haupt der Zungen von Franckreich; der Admiral, als das Haupt der Zungen von Welschland; der Gran-Conservatore, als Haupt der Zungen von Aragon; der Groß-Cantzler, als Haupt der Zungen von Castilien und Portugall; der Groß-Baley von Deutschland, als Haupt der Deutschen Zungen; und der Turcopelier, als Haupt der Englischen Nationen, welches letzte Amt seit 1550 aufgehöret. Die Ritter folgen der Regel St. Augustini, und tragen zu Kriegs-Zeiten einen rothen Gürtel mit einem Silber-färbigen geraden Creutz. Zu Friedens-Zeiten aber, oder wenn sie nicht in Waffen sind, ist ihre Kleidung ein langer schwartzer Trauer-Mantel, mit einem weissen achtwincklichten Creutz von gewächster Leinwand, welches auf der lincken Seite stehet. Vorne auf der Brust tragen sie ein güldenes Creutz an einem schmalen schwartzen Bande, und Anno 1727 ist in Franckreich die Verordnung geschehen, daß sie zum Unterscheid von andern Rittern ein güldenes Band mit einem weissen Grunde tragen sollen. Jm Kriege wider die Ungläubigen tragen sie noch ein Un-Ober-Kleid, vorne und hinten mit einem weissen Creutz ohne Spitzen. Sie zehlen seit ihrer Stifftung 70 Groß-Meister, 37 Groß-Priore von Deutschland, und 29 Herren-Meister, welches Herren-Meisterthum in der Baley Brandenburg auch dem Maltheser-Orden gehöret, durch die Marck, Pommern, Sachsen und Wendland sich erstreckt, und ietziger Zeit von dem Königl. Preußischen und Chur-Brandenburgischen Hause administriret wird. Es ist noch als etwas besonderes dabey anzumercken, daß da man sonst nicht nur Catholische Herren, sondern auch andere Religions-Verwandten, als Lutheraner und Reformirte in diesen Orden nimmt, man auch vor einiger Zeit dem Rußischen General-Feld-Marschall Scheremetoff, der doch der Griechischen Religion zugethan ist, das Malteser-Ordens-Creutz von Malta gegeben. Jm übrigen wird zwischen diesen Rittern und den Türcken ein stetswährender Krieg geführet, und wenn auch gleich mit der Christenheit Friede ist, so sind doch diese Ritter vermöge ihres Gelübdes daran nicht gebunden, daher sie von Seiten der Pforte und der Barbarischen See-Räuber alle Feindseligkeit zu besorgen haben, und wenn es zwischen beyden Theilen zu einem See-Gefechte kömmt, so wird meistentheils sehr desperat gefochten, und die Gefangenen in die elendeste Sclaverey gesetzet.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 666–670Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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