FeedGenüß, Gepfneisch
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Genüß, Gepfneisch, Wenn man bey einem Jagen das erst gefällte Wildpret, weil es noch warm ist, aufbricht, das Eingeweide zerhacket, und samt dem mit dem Schweiß vermischten Brote den Jagd-Hunden zu fressen giebet, solches heisset Genüß geben oder Pfneischen, das Fressen selbst aber Genüß oder Gepfneisch. Mit dem Geniessen oder Genüß geben eines Leithundes muß ein Jäger sehr behutsam gehen, und vor allen seinen Leit-Hund beurtheilen, ob er emsig und hitzig oder faul und kaltsinnig suchet, welchen beyden Mängeln er mit Verstande abzuhelffen wissen muß. Denn dem hitzig- und begierig-suchenden Hunde muß er vom Genüß bey Leibe nichts geben, denn sonst würde er übel ärger, und damit den Hund noch hitziger machen; die beste Hülffe aber bestehet darinne, daß er denselben kurtz führe, und das Hange-Seil nicht zu lange schiessen lasse, demselben nicht mit starcker Stimme, noch zu offt zuspreche, auch ihn auf keine frische Fähre bringe, oder ihm was lebendiges sehen lasse u. d. Einem kaltsinnigen, verdrossenen und faulen Hunde aber kan mit dem Genüß, zumal wenn er solchen liebet und gerne annimmet, mercklich geholfen werden. Er muß ihm aber gantz warm mit frischem Schweiß gegeben werden, denn dadurch wird ihm ein Muth gemachet, die Hirsch-Fährte desto besser und williger zu suchen. Solte er es das erste mal nicht annehmen wollen, muß man ihm durch Hunger den Appetit erwecken. Man verfähret aber mit dem Genüß geben folgender Gestalt: erstlich wird ein Hirsch oder Thier, welches man hat, aufgebrochen, und auf die Seite, etwan in ein Gesträuch, vornemlich aber ausser dem Winde gelegt, hernach dessen kurtz Wildpret von dem Halse ausgeschnitten, mit Schweisse bestrichen, und zwischen die Vorder-Schale des Hirsches oder Thieres dergestalt eingezwenget, daß es nicht gleich heraus genommen werden kan: Denn macht man mit einer in Schweiß eingetunckten Klauen, auf hundert Schritt gewöhnlicher massen eine Spur bis zum Thier, nimmt den Leit-Hund führet ihn ausser dem Wind mit dem Zuspruch, recht geben, und ablieben, bis zu diesem Bissen, und lässet ihm solchen, doch daß er sich darnach bemühen muß, heraus aus der Schale geniessen, liebet ihn hierauf mit guten Worten, und dem eichenen Bruche wohl ab, und trägt alsdenn, wenn er zween oder drey Bissen genossen, denselben wiederum von dem Thiere ab, bis er solches nicht mehr sehen, und also nicht wiederum nach demselben riechen kan, da man ihn denn aufs neue suchen, und geniessen läßt: Denn wenn der Hund etliche mal nach dem Genüß also ausser dem Winde gebracht wird, daß er nicht weiß, wo dasselbe gelegen, so greifft er gleich wiederum zur Erde solches zu suchen, und wird also zum Suchen desto besser aufgemuntert.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 913–915Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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