FeedTantz-Kunst
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Tantz-Kunst, Jst die erste unter den Ritterlichen Exercitiis, welche den übrigen die Thüre auf- und zuschließt, und durch deren wohlgeordnete Ausübung der menschliche Leib zu allen Verrichtungen agil und geschickt gemacht, das Gemüth recreiret und gestärcket, die Lebens-Geister ermuntert, und zu allen wichtigen Geschäfften gleichsam auf das neue befeelet werden. Sie zeiget I) das niedrige Cammer-Tantzen, la belle Danse oder la Danse par terre, dessen man sich bey Assembleen, Balls etc. bedienet, und zwar 1) in prosa, wie man sich manierlich kleiden, proportionirlich stellen, nette gehen und bey allen Begebenheiten eine galaute Reverence machen, oder eines beliebten Exterieur und gefälligmachenden Aufführung sich befleißigen solle; 2) in theoria, wie man den Grund zur Tantz-Kunst legen, das ist, die verschiedene Pas regelrecht machen und verbinden solle, und zwar nach der Cadence und mit dem bon Air und Porte les bras vergesellschafftet; 3) in praxi, wie man auf diesem Grunde die drey Fundamental-Täntze, Courante, Menuet und Bourrée, als aus welchen die übrigen alle fliessen, wohl fassen und zierlich tantzen solle. Sodenn lehret sie II) das hohe oder theatralische Tantzen la haut Danse, welches auf Ballets serieuses und comiques ankömmt, wovon der vorhergehende Artickel zu sehen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2189–2190Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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