Corday d' Armans (Marie Anna Charlotte), die Mörderin Marats, 27. Juli 1768 zu St.⸗Saturin in der Nähe von Caen geboren, war von ö adeliger Herkunft. In ihrer Jugend durch histor. und philos. Studien, besonders Plutarchs und Rousseaus Schriften vorgebildet, wandte sie sich begeistert der Revolution zu, in der ihr diese Ideen verwirklicht schienen, ward aber mehr und mehr von Abscheu vor der Tullt. Ae Ausartung der Iaph' Gewalthaber erfüllt. Als nach der Katatrophe vom 31. Mai 1793 die gestürzten Girondisten verfolgt wurden, retteten sich Barbaroux. Petion, Lanjuinais und Henri Lariviere nach Caen. Charlotte erhielt dadurch Gele enheit, diese von ihr verehrten Männer persönlich kennen zu lernen und faßte jetzt, wo die Greuel in Paris 126 wuchsen, den Plan, einen der hervorragendsten Ter roristen zu töten. Am 1. Juli 1793 traf sie in Paris ein, 205 in Zweifel, ob sie Marat oder Robespierre dem Tode weihen sollte. Da fiel ihr ein Blatt des von Marat herausgegebenen Ami du peuples in die Hand, in dem derselbe äußerte, daß, um die Revolution zu vervollständigen, noch 200000 Köpfe fallen müßten. Dies Wort entschied ihre Wahl. Am 11. Juli bat sie Marat schriftlich um eine Audienz, weil sie ihm von den Umtrieben der Girondisten zu Caen zu berichten hätte; doch erhielt sie keine Antwort. Nun begab sie sich 13. Juli des Morgens, nachdem sie unterwegs ein Messer gekauft, in die Wohnung Marats; allein sie wurde von seiner Haushälterin abgewiesen. Dennoch suchte sie ihn am Abend wiederum auf, bat durch ein Billet dringend um Gehör und wurde endlich eingelassen. Marat befand sich im Bade, er befragte sie hastig um die Namen der Verschwörer und äußerte, dieselben niederschreibend: Sie sollen ihren Lohn empfangen, ich werde sie alle zu Paris guillotinieren lassen.» Bei diesen Worten näherte sich Charlotte und durchstieß mit dem verborgen Munrabatar Messer die linke Brust ihres Opfers. Marat starb sofort. Charlotte wurde verhaftet und olgte stolz und ruhig in die Conciergerie. Auf ihrem ege warf sich ihr ein begeisterter Jüngling entgegen, der für sie sterben wollte; er wurde von dem wüthenden Pöbel ermordet. 90 ihrem Gefängnisse angelangt, schrieb sie sogleich an ihren Vater, den sie um Verzeihung bat, dann an Barbaroux, dem sie ihre Freude ausdrückte, daß sie bald mit Brutus und den Alten im Elysium zusammentreffen würde. Schon 17. Juli wurde sie vor Gericht gestellt, wo sie sich mit Würde benahm und ihre That als eine Wohlthat für Frankreich bezeichnete. Ihre edle Persönlichkeit nötigte selbst ihren Richtern ein ungewöhnliches Interesse ab, und das Tribunal gab ihr den berühmten Advokaten Chaveau-Lagarde zum Verteidiger, welcher ihren Heldenmut und ihre Seelengröße hervorhob. Das Tribunal verurteilte sie zum Tode. Gegen Abend wurde sie in einem roten Mantel zur Guillotine geführt und hingerichtet. Der Henker zeigte ihren Kopf der Menge und versetzte ihm einen Backenstreich: eine Roheit, die doch selbst in diesem Publikum einen Ausbruch von Unwillen erregte. Aus der Mitte des Volks rief sogar laut eine Stimme: „Seht, sie ist größer als Brutuslo Der Rufer war Adam Lur, Abgeordneter der Stadt Mainz; er mußte bald ebenfalls unter dem Fallbeil enden. Vgl. Dubois, „Charlotte C.v (Par. 1838); Chéron de Villers, Oharlotte de C. d'Armans (Par. 1864).