Virginische Inseln oder Jungferninseln (engl. Virgins-Islands, frz. Iles-Vierges, span. Islas Virgineas), eine Gruppe von nahezu 100 kleinen Eilanden in Westindien, unweit östlich von Portorico, die 1494 von Columbus auf dessen zweiter Reise entdeckt und angeblich von diesem nach den 11000 Jungfrauen, nach anderer Angabe aber erst von Sir Fr. Drake (1580) zu Ehren seiner jungfräulichen Königin Elisabeth benannt wurde. Nur etwa der vierte Teil derselben ist bewohnt und in Kultur genommen; die übrigen sind zur Kolonisierung zu felsig, wasserarm und unergiebig und daher unbewohnt. Das Areal der wirklich kolonisierten wird auf 693,7 alem, ihre Bevölkerung auf 43 620 Seelen angegeben. Dieselben erzeugen alle westind. Produkte und liefern zur Ausfuhr Zucker, Melasse, Rum, Indigo, Salz, Baumwolle, Tabak, Gelbholz, Piment und Ingwer. Die Wälder enthalten nützliche Bäume. Eine Fülle von Guineagras bietet gute Weide, und die Küsten sind fischreich. Das Klima ist veränderlich. Es gibt zwei nasse und zwei trockene Jahreszeiten. Erdbeben sind nicht selten, sowie furchtbare Orkane, verbunden mit Sturmfluten. Erst seit dem 16. Jahrh. wurden auf diesem kleinen Archipel, der äußersten Westgruppe der Kleinen Antillen, Kolonien gegründet. Der westl. Teil gehört den Spaniern, der östliche den Engländern, die Mitte den Dänen. Spanisch sind; Culebra oder die Schlangeninsel, Culebrita und Viequez oder die Krabbeninsel, die zum Generalkapitanat Portorico gehören, zufammen 169,50 akm umfassen mit 3431 E. Auf Vieques, mit dem Hafen Isabel Segunda, haben indessen vertragsmäßig alle drei Nationen das Recht der Baumfällung, der Jagd und des Fischfangs. Die dän. Inseln sind St.Thomas, St.⸗Croix oder Sta.⸗ Cruz und St.⸗Jan, zusammen 358,0 qkm mit (1880) 33 763 CE. Englisch sind die übrigen Inseln, welche das Gouvernement Tortola (s. d.) bilden.