FeedWellington
GeschichteBrockhaus 1882

Wellington (Arthur Wellesley, Herzog von), Fürst von Waterloo, brit. Feldherr und Staatsmann, der dritte Sohn des Grafen von Mornington (s. Wellesley), wurde 1. Mai 1769 zu Dangan-Castle in der irischen Grafschaft Meath geboren (nach andern Angaben jedoch schon einige Tage früher zu Dublin; nach dem Pfarrregister von St.⸗ Peters zu Dublin schon 30. April getauft). Er erhielt seine Erziehung zu Eton, besuchte die Militärschule zu Angers in Frankreich und trat 25. Dez. 1787 als Fähnrich in das brit. 41. Infanterieregiment. Im Sept. 1793 kaufte er die Oberstlieutenantsstelle vom 33. Regiment, mit dem er 1794 in Holland und seit 1797 im brit. Ostindien, dessen Generalgouverneur damals sein älterer Bruder Richard war, diente. W. zeichnete sich 1799 in den Kämpfen gegen Tippo-Saib und 1803 gegen die Maharatten aus und wurde Generalmajor, kehrte 1805 nach England zurück, trat 1806 für Newport ins Unterhaus und wurde bald darauf Staatssekretär für Irland. Im Aug. 1807 nahm er am Zuge gegen Kopenhagen teil, dessen Kapitulation er verhandelte. Die Regierung belohnte seine Dienste mit dem Range eines Generallieutenants und schickte ihn Aug. 1808 an der Spitze von 8000 Mann nach Portugal, wo er 18. Aug. die Franzosen bei Roliga und 21. bei Vimieiro schlug, worauf die Franzosen Portugal räumten. Im April 1809 erhielt W. den Oberbefehl über die verstärkten brit., sowie über die pvortug. Truppen. Er schlug den Marschall Soult 16. Mai bei Porto, drang hierauf in Spanien ein und schlug die unter König Joseph vereinigte franz. Macht 26. Juli bei Talavera. Das brit. Parlament belohnte ihn mit einer Jahresrente von 2000 Pfd. St.; der brit. Prinz-Regent erhob ihn zum Baron Douro von Wellesley und Viscount Wellington von Talavera; die portug. Regentschaft verlieh ihm den Titel eines Marquis von Vimieiro. Inzwischen war W. infolge der Niederlage der Spanier bei Almonacid nach Portugal zurückgekehrt und hatte zur Deckung von Lissabon die Stel—⸗ lung von Torres-Vedras stark befestigt. Der franz. Oberbefehlshaber Massena wagte diese Linien ohne Verstärkung nicht anzugreifen und sah sich endlich nach sechsmonatlichem Harren genötigt, den Rückzug nach Spanien anzutreten. Von den schwachen Regentschaften der Pyrenäischen Halbinsel wenig unterstützt, rückte W. vorsichtig dem Feinde nach und zwang denselben zum Aufgeben von Almeida, Mai 1811. Im September überschritt er den Tajo, um die Verproviantierung von Ciudad-Rodrigo zu verhindern. Während Marmont, der neue franz. Oberbefehlshaber, in den Winterquartieren lag, bereitete W. die Belagerung des Platzes vor und nahm denselben 12. Febr. 1812. Die span. Regentschaft ernannte ihn darauf zum Herzog von Ciudad-Rodrigo und Granden erster Klasse; das brit. Parlament bewilligte ihm aufs neue ein Jahrgeld von 2000 Pfd. St. Hierauf eroberte W. 7. April Badajoz und schlug Marmont 22. Juli bei Salamaneg, worauf er 13. Aug. in Madrid einzog. Der brit. Prinz-Regent erhob ihn jetzt zum Marqueß von Wellington und das Parlament schenkte ihm zum Ankauf von Gütern 100000 Pfd. St. Nunmehr wandte sich W. gegen Burgos, fand aber hier einen so hartnäckigen Widerstand, daß er die Belagerung aufheben und 20. Okt. 1812 den Rückzug an die portug. Grenze antreten mußte. Die Verminderung der franz. Streitkräfte auf der Pyrenäischen Halbinsel bewog ihn um so mehr, für den Feldzug von 1813 außerordentliche Anstrengungen zu maschen. Auch die span. Truppen wurden unter seinen unmittelbaren Befehl gestellt. Er drängte die franz. Armee, die unter König Joseph und Jourdan eine Stellung hinter dem Duero genommen hatte, auf Burgos zurück und erfocht bei Vittoria 21. Juni 1813 einen glänzenden Sieg, wofür ihn der brit. Prinz-Regent zum Feldmarschall und die span. Cortes zum Herzog von Vittoria ernannten und ihm die Herrschaft Sotto di Roma schenkten. Soult reorganisierte die geschlagene franz. Armee zu Bayonne und drang in die Pyrenäen vor, um die Plätze San-Sebastian und Pamplona zu retten. W. schlug jedoch die verzweifelten Angriffe dieses Gegners vom 24. Juli bis 1. Aug. ab und nahm 8. Sept. San-Sebastian durch Sturm. Am 7. Okt. erzwang er den Übergang über die Bidassoa, nahm 31. Okt. Pamplona und trug den Krieg nach Frankreich. Er besiegte Soult 16. Nov. an der Nivelle und 27. Febr. 1814 bei Orthez und folgte dem Feinde bis nach Toulouse, das nach blutigem Gefecht 10. April in seine Hände fiel. Erst auf die Nachricht von der Abdankung Napoleons I. und der Einnahme von Paris durch die Verbündeten bewilligte er dem Gegner Waffenstillstand. Nachdem W. den verbündeten Monarchen zu Paris einen Besuch gemacht, reiste er nach Madrid, wo ihm Ferdinand VII. die erhaltenen Würden bestätigte und ihn zum Generalkapitän ernannte. Der brit. Prinz-Regent verlieh ihm 3. Mai 1814 die Würde eines Herzogs von Wellington und eines Marqueß von Douro. Nach seiner Ankunft in London, 23. Juni, bewilligte ihm das Parlament 400 000 Pfd. St. zum Ankauf von Ländereien und empfing ihn 1. Juli in feierlicher Sitzung. Darauf nahm er an den Verhandlungen zu Paris und Wien als brit. Bevollmächtigter teil. Nach Napoleons Rückkehr von Elba unterzeichnete W. die Achterklärung gegen denselben und trat bereits 6. April 1815 zu Brüssel den Oberbefehl über die brit.⸗hannov.⸗braunschw.⸗holländ. Truppen an. Am 18. Juni lieferte er die blutige Schlacht bei Waterloo (s. d.), in welcher seine eiserne Beharrlichkeit und das Eintreffen der Preußen unter Blücher zum zweiten mal dem franz. Kaiserreiche das Ende bereiteten. Im Verein mit Blücher marschierte er nun auf Paris, wo er 5. Juli 1815 durch Kapitulation einzog. Das brit. Parlament belohnte ihn nochmals mit 200000 Pfd. St. und der König der Niederlande verlieh ihm den Titel eines Fürsten von Waterloo. Auch erhielt W. 20. Nov. 1815 den Oberbefehl über die verbündeten Truppen in Frankreich. Auf dem Kongreß zu Aachen 1818 befürwortete er selbst die Zurückziehung dieses Besatzungsheers und half die Kontributionsfrage im franz. Interesse entscheiden; überhaupt fand die franz. Regierung an ihm den übrigen Gegnern gegenüber eine Stütze. Im J. 1822 ging W. als brit. Bevollmächtigter auf den Kongreß nach Verona, und 1827 ward er zum Oberbefehlshaber der brit. Landmacht ernannt. Seine Wirksamkeit als Mitglied des Oberhauses näherte sich den Grundsätzen des starrsten Toryismus. Wenn er auch kein glänzendes Rednertalent besaß, übten doch sein persönliches Ansehen und die Bestimmtheit seines Ausdrucks bedeutenden Einfluß. Nach Goderichs Rücktritt übernahm er im Jan. 1828 die Bildung des neuen Ministeriums, in welchem er die Stelle eines ersten Lords des Schatzes versah, und umgab sich mit entschiedenen Tories. Indessen besaß er Scharfblick genug, um 1829 selbst die Initiativein der Emancipation der Katholiken zu ergreifen. Der Eindruck der franz. Julirevolution und die Thronbesteigung Wilhelms IV. veranlaßten im Nov. 1830 den 9. Eiitgen Verwaltung und der Tories überhaupt. Mit gewohnter Hartnäckigkeit widersetzte er sich nun der Parlamentsreform und regte dadurch das Volk so auf, daß er öffentlich beschimpft wurde. Nach der Entlassung der Whigs im Nov. 1834 übernahm W. unter Peel die Leitung des Auswärtigen; doch mußte er schon bei Eröffnung der Session von 1835 zurücktreten. Als Peel im Sept. 1841 abermals ein Ministerium bildete, beteiligte W. sich aufs neue, ohne ein bestimmtes Departement zu übernehmen. Zum Ärger der Hochtories ließ er sich von Peel für die Freihandelspolitik bestimmen. Auch unter dem Whigministerium seit Juni 1846 behielt W. die Oberbefehlshaberstelle nebst den Amtern des Gouverneurs im Tower, des Lord-Wardens der fünf Häfen und des Kanzlers der Universität Oxford. Dem Parteitreiben fern, übte er nur noch eine vermittelnde Wirksamkeit und wurde namentlich von der Königin in schwierigen Fragen zu Rate gezogen. W. war zwar kein genialer Mann, besaß jedoch einen sehr scharfen Verstand und reges Pflichtgefühl, sowie leidenschaftsloses Urteil und unbeugsame, starre Festigkeit. Seine einstige Unbeliebtheit war vergessen, und er erfreute sich der ungeteilten Liebe und Achtung des Volks, als er 14. Sept. 1852 auf Walmer-Castle bei Dover starb. Mit königl. Pomp wurde er 18. Nov. in der St.⸗Paulskirche beigesetzt. Vgl. die von Gurwood herausg. DDespatches of field-marshal the duke of W.v (14 Bde., Lond. 1836—65); die von W.s Sohn Arthur Richard herausgegebene „Supplementary despatches, correspondence and memorandav (Bd. 15—17, Lond. 1868—73), und seine Speéeeches in parliamenty (2 Bde., Lond. 1854), sowie Bauers Leben und Feldzüge des Herzogs von W. (Quedlinb. 1840) und Pauli, Arthur Herzog von W.o (in Der Neue Plutarcho, Bd. 6, Lpz. 1879). Außerdem beschrieben sein Leben die Engländer Elliot, Clarke, Wright, Marwell, Stoqueler, Macfarlane, Graf de Grey, Honge, Jackson, Scott u. a. Aus seiner Ehe mit Miß Catherine Pakenham, Schwester des Grafen von Longford, hinterließ er zwei Söhne. Der älteste, Arthur Richard, geb. 3. Febr. 1807, der ihm als zweiter Herzog von W. folgte, wurde in Eton erzogen, trat 1823 in die Armee, wurde 1834 Oberstlieutenant, war 1842—52 Adjutant seines Vaters und wurde im Juni 1854 zum Generalmajor, im Febr. 1862 zum Generallieutenant befördert. Er war bis 1852 Mitglied des Unterhauses, wurde 1853 Stallmeister der Königin, 1858 Privy Counsellor und Ritter des Hosenbandordens, lebte in kinderloser Ehe mit Lady Elizabeth Hay, Tochter des Marquis von Tweeddale, und starb zu Brighton 13. Aug. 1884. Der zweite Sohn, Lord Charles Wellesley, geb. 16. Jan. 1808, war Oberst und Parlamentsmitglied und starb erblindet 9. Okt. 1858. Sein ältester Sohn, Henry Wellesley, geb. 5. Aug. 1846, Oberstlieutenant bei den Gardegrenadieren, ist der jetzige Träger des Titels.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 540Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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