FeedHoggar (Hogar, Ahaggar)
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Hoggar (Hogar, Ahaggar), Gebiet im Lande der Tuareg, nach einem im westlichen Teile der zentralen Sahara aufsteigenden G@ebirgsstock benannt. Es liest etwa zwischen 21° östl. L.; die ersten Nachrichten von ihm brachte Dr. Barth; nach ihm kamen Schilderungen vom H.-Lande durch Duveyrier und Daumas zu uns; Oberst Flatters musste den Versuch, über H. hinaus vorzudringen, mit dem Leben bezahlen. Das H. bildet einen charakteristischen Zug des zentralen Sahara-Plateaus. Es ist der Ausgangspunkt langer Thäler, welche nordwärts bis zum Schott Melghir (in der alger. Sahara), südwärts bis zum Kworra (oder Dscholiba), westlich bis an das Becken des Ued Draa (Marokko) verlaufen ; zum mindesten darf es als gewiss angesehen werden, dass ehemals, d. h. vor Beginn der langen Austrocknungsperiode, welche der Sahara ihre Wäüstenform gegeben hat, derIgharghar ein Flass war, welcher in dem Triton-Dee, also in das Mittelmeer abfloss, während das Tarhit Thal wahrscheinlich, parallel mit dem Tirhehert- (oder Degazert-, Tirhejirt-) Thale sein Wasser dem Draa, also dem Atlantischen Ozean, und das Tin-Tarabin-Thal durch das Tafasasset- oder Dallul-Bosso-Thal die Seinigen in südlicher Richtung dem Niger (in der Gegend etwa, wo die jetzige Stadt Kirotaschi gebaut ist) zuführte, Jet,t saugen die ungeheuren Sanddünen des EI-Erg (Jiguidi ete.), inmitten deren die Thäler des Igharghar und des Tirhehert nur mühsam ihren to: pographischen Charakter zu wahren vermögen und stellenweise sogar verlieren, gleich riesigen Schwimmen alle Niederschläge auf, welche von ‚Zeit zu Zeit im H. fallen. Die erste Staffel des H.-Plateaus bedeckt einen Flächenraum von 110— 115000 qkm. in einer fast dreieckigen Gestalt; die Grundlinie des Dreiecks würde man in dem südwestlichen Rande des Plateaus, auf welchem ein zweites Gestock aufstiege, zu suchen haben. Im südlichen Teile desselben liegen die Berge Tachai und Ilaman (der letztere nördlich vom erstern). Im Zentrum liegen die beiden höchsten Spitzen des ganzen Stocks; der Uatellen im Südosten (2500-3000 m) und der Hikena im Südwesten (die wahrscheinlich die höchsten Berge des ganzen Kontinents unter diesem Längengrade [2—3V v. Par.] sind). Die Südausläufer des Plateaus sind: der Aghil, von welchem sich nach Norden zu die Tifedest- (Tafedest-) Berge abzweigen, mit dem Udan, dessen Höhe durch den der Flatters’- schen Expedition angehörigen Ingenieur Beringer 1881 auf 2000 m geschätzt wurde. Im Westen steigen die Tureret- (Tawrirt oder Taorert-) Berge auf. Die das H.-Land (in der Hauptsache den zentralen Teil desselben) durchziehenden Thalschluchten sind: : das Igharchar, welches zwischen den Bergen Uatellen und Hikena seinen Anfang nimmt, am nordöstlichen Hange entlang zieht und die aus dem H. kommende Tedjert mit den beiden die als Salzerzeugerin seit alters be: ziehenden Zuflüssen Wadinki und Emoghir aufnimmt. Nach Aussage der Tuareg befinden sich in den kleinen, östlich vom Tifedest herabkommenden, dem Igharghar zulaufenden Thälern Tinekert, Amghe, Adjelil, Adjelman-Erghen, Tarharhait, Taharrakit Wasserfälle, und zwar teilweise konstante, teilweise periodische. Das vom Schikh-Ssalah und vom Tehen-Akeli auslaufende Tarhit speist, bevor es den Timissao erreicht, die Weideflichen des Selet; nimmt vom Ahaggar-Plateau die sekundären Thäler Adenek-d-Abessugh, Tin-Teheli, Temassaneggueli, Tin-Aghakeli, Telak und Eheri auf. Das unter dem Westhange sich hinschlängelnde, dann südlich abbiegende Tin-Tarabin (8. v. w. „Weiberthal“) nimmt die Thäler Amessara, Iforrozzin, Sersuf, Isuagh, Tandjet, Aghsul, Tekderen, Egharaghen, Serser, Ifek, El-Imkan, Temaghaset, Utüt und Turaghen auf. Die Fauna und Flora des H.-Plateaulandes entspricht derjenigen der südlichen Sahara. Die Sene-Pflanze ist dort sehr gemein und von trefilicher Qualität. Die Bewohner gehören zu den Tuareg. Sie heissen nach ihren Lande „Ahaggar“ und bilden eine aristokratische Kontöderation. Sie scheiden sich in zwei Kasten: die Kriegerkaste und die dienende Kaste (aus Hirten, Handelsleuten, selbst Ackerbauern bestehend). Die Kriegerkaste zerfällt in vierzehn Stimme. Der Mutterstamm derselben sind die 'Tedjehe-n-Emma; nächst ihnen rangieren die Kel-Ahamellen- (wan-Taghert) zwischen Inssalah und dem Hoghar. Der stärkste Stamm sind die im Nordwesten des Landes nomadisierenden Kel-Rhela mit den ihnen untergebenen Stämmen der Imesseliten, Kel-Rhafsa, Kel-Ingher (zwischen Inssalah und Akabli), Kel-Rharis (im Mujdir), Kel-Tekosa, Kel-Adenek (im Thale Adenek), Kel-Tifedest (Bewohner des Tifedest), Kel-Tazholet, Kel-Tahat (am Berge Tahat), die Isandaten, Martamak und Dag-wan-Tawat; die Kel-Rhela beherrschen die Strassen, welche vom Zentrum des H.-Landes nach Alger!en und nach Tuggurt führen. — Auf dem Hochplateau schweifen die als Trabantan der Kel-Rhela gefürchteten Ibogelan; sie steigen bis nach dem Asawad nördlich von Timbuktu hinab; ihnen unterthan sind die Iberberen. Die Taitok, ein grosser fast ebenso: starker Stamm wie die Kel-Rhela, beherrschen den Westhang der Ahag-. gar-Plateaus mit den ihnen untergebenen Kel-Ahenet (auf dem Baten-Ahenet), Tedjehe-n-Afis und den Ikelan (Nachkömmlingen freigelassener Negersklaven).. — Die Tedjede-n-Eggali sind, gleich den Ikadeen, Satelliten der Kel-Ahamellen-wan-Taghert; während die ersteren eines dienenden Stammes ermangeln, sind letztere die Lehnherren) der Eharhan. — Die Inemba-Kel-Inhat hausen in der Gegend um den Berg Tahta; die Inemba Kel-Emoghri durchstreifen die Thäler Wadinki und Emoghri, südlich von der Salzgrube Amadehor, mit den ihnen untergebenen Stämmen der Ait-Loahen, Ehen-n-Ehölash und Ait-Loahen-Kel-Tazholet. — Die Ikerremöin hausen in der Umgebung des Thashult; die Tediede-n-U-Sidi, die Ennitra und die Tedjede-n-Esakkal sind nomadisierende Stämme.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 555Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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