Eudoxia, Sonst Athenais, auch Eudocia, wie sie Vossius nennet, eine schöne keusche und sehr gelehrte Jungfer aus Griechenland, wie nicht weniger eine vortreffliche Poetin. Ihr Vater war der berühmte Philosophus Leontius aus Athen, der das Glücke hatte an thr eine grosse Kayserin zu erleben; worzu sich folgende Gelegenheit äusserte. Ihr Vater Leontius, welcher so wohl aus ihrer schönen Physiognomie, als auch denen Gestirnen zu vorher sahe, daß sie es in der Welt hoch bringen würde, befahl in seinem letzten Willen seinen beyden Söhnen Valeriano und Genuesio an, daß sie ihrer Schwester Eudoxia nur ein gewisses Stück Geld nach seinem Tode aus seiner Erbschafft reichen solten, mit beygefügter Ursache, daß sie sich mit ihrer Schönheit und Gelehrsamkeit schon in der Welt fortbringen würde. Hiermit aber war Athenais nicht zu frieden, sondern wolte den ihr nach denen Rechten zukommenden dritten Theil aller Verlassenschafft haben; welches ihre Brüder nicht eingiengen, sondern sie gar aus der Behausung stiessen. Hierauf gieng Athenais nach Constantinopel, und hatte das Glück, daß sie sich bey des Käysers Theodosii Schwester Pulcheria genannt, vortefflich insinuirte, und durch dieselbige endlich gar ihrem Bruder, dem ihre Schönheit und Gelehrsamkeit einnahm, nachdem sie zuvorher durch den Bischoff zu Constantinopel, Atticum, getauffet, und ihr an statt des heidnischen Nahmens, Eudoxia, gegeben ward, zur Gemahlin beygeleget, welcher ihr auch die Käyserliche Crone aufsetzen ließ. Als sie nun drey und zwantzig Jahr lang mit ihrem Gemahl einig und vergnügt gelebet, fiele diese Eudoxia bey ihrem eyfersüchtigen Gemahl wegen eines schönen Apffels, den sie von ihm bekommen, und wieder an einen von ihren Bedienten, Paulinus genannt, verschencket hatte, in grosse Ungnade, worauf sie alsbald in das Exilium gieng, und sich Jerusalem zu ihrer Wohnung erwehlte, auch allda vor die Armen und Fremdlinge ein Spital erbaute. Ihr Gemahl aber grämte sich wegen ihrer Abwesenheit dergestalt, daß er bald darauf starb. Ihr Todt erfolgte, A. 457. oder wie die Damoiselle Guillaume will 59. und lieget sie in der Stephans Kirche zu Jerusalem begraben. Sie soll, wie Socrates, Evagrius, Nicephorus und Cyrillus meldet, ein vortrefflich Gedichte von dem Persischen Kriege verfertiget haben; und meynen auch einige, sie hätte die Centones de Christo verfertiget, welches aber noch nicht bewiesen: vielleicht rühret der Irrthum daher, weil sie, wie Zonaras behauptet, das unvollkommene Werck, eines gewissen Patricii, die Centones Homericos absolviret, und zu Stande gebracht.