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GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Pulcheria, Arcadii des Constantinopolitanischen Käysers Tochter und des gelehrten Theodosii Junioris Schwester und Gouvernantin, eine trefflich gelehrte Princeßin, so Griechisch und Lateinisch wohl verstunde, dahero sie auch mit dem Römischen Bischoffe Leone III. Brieffe wechselte, D. Korthold in Eccles. Histor. P. 5. Sect. 2. cap. ult. §. 21. p. 129. Sie regierte nebst dem Constantinopolitanischen Stadt-Præsidenten Anthemia des unmündigen Bruders Reich mit grosser Klugheit und ungemeinen Verstande, wie sie denn auch den Printzen zu einer verwundernswürdigen Erudition durch ihre eigene Information brachte, und disponirte ihren Bruder dahin, daß er sich mit der gelehrten Athenaide vermählte, halff auch so viel Gutes stifften, daß zur selbigen Zeit die Käyserliche Residenz einem Tempel ähnlicher sahe, als einer Hoffstadt. Ja sie gelobete GOtt eine stetswährende Jungferschafft und bauete zu dessen Ehren einen von Gold und Edelsteinen trefflich kostbahren Altar in die Kirche. Weil aber Theodosius keine Erben verließ, kahm es endlich dahin, daß diese Pulcheria Marcianum heyrathete, doch mit dem Bedinge, daß ihre GOtt gelobte Keuschheit unverletzet bliebe, welches dieser ihr Gemahl auch gehalten. Sie war dazumahlen schon über 50. Jahr alt, und besaß mit der grösten Vergnügung des Reichs den Käyserlichen Thron. Man hat sie auch canonisiret, und ihr den 10. September eingeräumet. Vid. Raderi Aulam Sanctam. c. 3. it. Menag. in Histor. Mulier. Philosoph. p. 14. 15. Hübners Historische Fragen I. Theil. l. 5. part. 3. p. 481. D. Schmidt in Mulier. Orthodox. §. 14. Santel. in Ann. Sacr. T. 2. pag. 95.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1563–1565Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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