Hildegardis, Mit dem Zunahmen de Pingua von Spanheim A. 1098. gebohren, wurde in der Mitten des XII. Seculi zu Zeit Friderici I. durch sonderbahre Erleuchtungen berühmt. Ihr Vater hieß Hildebert, die Mutter aber Mechtild. Sie war Aebtißin des Closters St. Ruperti zu Bingen im Mayntzischen am Rhein, so sie selbsten erbauet; und alda wegen ihrer grossen Wissenschafft in der Theologie, Medicin und Philosophie, wie auch Poesie sehr berühmt. Vid. Trithem. Op. Hist. Hirsaug. Histor. p. 134. Uber dieses hatte sie einen Prophetischen Geist, und sind ihre Bücher im Concilio zu Trier von 9. Ertz-Bischöffen, ja vom Papst Eugenio selbsten, wie auch nach der Zeit von Anastasio IV. und Adriano IV. approbiret worden; deren ersterer sie mit einem lateinischen Brieffe beehret. Und ob sie gleich in ihren Büchern viel von dem Greuel der Pfaffen und ihren Untergang sehr frey geschrieben, ist sie dennoch (welches zu verwundern) in beständiger Hochachtung bey dem Pabstthum verblieben. Sie sturb A. 1180. d. 17. Sept. im 82. Jahr ihres Alters, und lieget auf dem St. Ruprechts Berg begraben. Ihrer Schrifften werden sehr viele gezehlet: denn sie hat auf Befehl des Abts Helengers, des Bischoffs Disibodi, S. Berthen und Ruperts Leben beschrieben, so zu Mayntz A. 1602. in 4. gedruckt worden, wie denn auch Quentel zu Cölln etwas davon heraus gegeben hat. Ihre Revelationes oder Visiones in 3. Büchern und 38. Brieffen bestehende, sind zu Cölln 1628. und zu Paris 1513. in Fol. heraus kommen, wie denn auch einige Opuscula schon zu Cölln 1560. das Tage-Licht erblickt. Etliche ihrer Tractätlein mit einer Dedication an den Ertz-Bischoff Daniel zu Mayntz hat Justus Blanckovalt publiciret, als da sind: Etliche Episteln an unterschiedene geschrieben samt der Antwort. Quæstiones an Wibertum, einen Mönch zu Gemblours. Auslegung über die Reguln S. Benedicti und eine Erklärung des Symbol. Athanasiani. Sonsten findet man noch ein Buch, Auffmunterung der Welt-Kinder genennet: ferner ein Buch vom H. Abendmahl, ein Buch an ihre Schwestern, ein Buch an die Grau-Mönche, ein Buch unterschiedener Carminum und 58. Predigten über die Evangelia. Vossius gedencket einer Physica oder vier Bücher von natürlichen Dingen der Hildegardis, so zu Straßburg A. 1533. und A. 1544. gedruckt worden. Andr. Tiraquellus T. I. c. 31. p. 199. rühmet ihr Buch de Medicina simplici & composita sehr. Paschalis Gallus aber will nichts daraus machen. Alstedius setzet sie unter die Testes Veritatis in Thesauro Chronolog. p. 389. weil sie in ihren Schrifften kein Blatt vor das Maul genommen, auch sich nicht dem Pabst die Wahrheit zu sagen gescheuet. Ihre Prophetie vom Antichrist wird noch heute zu Tage in der Bibliothec zu Basel im Manuscripto gefunden. Vid. Theophil. Spizel. in Sacr. Bibliothec. retect. p. 19. Das Leben dieser Hildegardis hat einer, Nahmens Gottfried, angefangen, ein Benedictiner Abt aber, Dietrich genannt, vollzogen, und wird solches bey dem Laurentio Surio ad diem 17. Septemb. und in der Bibliotheca maxima Patrum Tom. XXIII. p. 536. gelesen.