FeedHypathia
Literatur & SpracheFrauenzimmer-Lexicon 1715

Hypathia, Ein gelehrtes Weib aus Alexandrien des berühmten Feld-Messers Theonis Tochter und siodori Weib, war der Platonischen Philosophie, neben welcher sie noch die Geometrie und Astronomie verstand, ergeben, und soll nach des Socratis Geständniß L. 7. c. 15. Histor. alle Philosophos zu ihrer Zeit übertroffen haben. Diese hat nach ihrer Einführung des Plotini in die Scholam Platonicam daselbst succediret, und ihren Zuhörern alle Philosophische Disciplinen erkläret, daher sie einen grossen Zulauff weit und breit gehabt. Nicephorus schreibet sehr viel von ihr L. 14. c 16. Von ihren Wercken sind bekandt: 1) Commentarius in Diophantum. 2) Canon Astronomicus. 3) Commentatio in Conica Apollonii. Synesius der Cyrenæische Bischoff, hat seine Epistolas Septenas an sie, worinnen er ihr den Nahmen, Philosophæ, beygeleget, geschrieben. Die Epistel, so man ihr Schuld geben will, daß sie selbige an den Bischoff Cyrillum geschrieben, soll nicht von ihrer Arbeit seyn. Wie Menagius behaupten will, p. 32. Vid. Stephan. Baluzium Tom. I. Concilior. in Synodico adversus Tragœd. Irenæi cap. 216. Sonsten soll sie bey ihrer seltnen Schönheit sehr keusch gewesen seyn, auch einen geilen Jüngjing, der ihr beständig nachgegangen und sie zu Stillung seiner Affecten nöthigen wollen, mit List abgewiesen haben, indem sie selbigen bey seiner Hitze und viehischen Begierden ein gewisses unsauberes Hembde, so sie ausgezogen, vorgehalten, ihm auch dadurch den Appetit ziemlich vertrieben. Die Art ihres Todes war sehr jämmerlich, indem sie in einem Auffruhr von dem unbändigen Pöbel A. 415. mit Steinen zu Tode geworffen, ihr Leib alsdenn zerstückt, von Gliedern zu Gliedern zerhauen, und hierauff verbrannt worden. Und solches soll alles auf des Bischoffs Cyrillus Anstifftung, der ihren Ruhm, so sie wegen ihrer vortrefflichen Wissenschafften erlanget, beständig beneidet, geschehen seyn.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 912–913Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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