Judith, Eine Jüdische Heldin, aus dem Stamm Simeon, Merari, des Sohnes Uz, Tochter, und Wittib des Manasses zu Bethulien. Sie war nicht nur gottesfürchtig, schön und reich, sondern auch von sonderbahren Groß- und Helden-Muth. Denn als die Stadt Bethulia von dem Assyrischen General Holofernes belagert ward, die Belagerten schon auch auf dem Sprunge gestanden, die Stadt zu übergeben, schlug sich Judith in das Mittel, schmückte sich zuvorher auf das herrlichste aus, und gieng in das feindliche Lager; Holofernes, so bald er selbige erblickte, ward durch ihre Schönheit und angenehme Gestalt so gleich gerühret und entzündet, nahm sie mit Freuden auf, und befahl seinen Soldaten, sie solten sie frey und ungehindert aus- und eingehen lassen. Er war frölich mit ihr, und als er einsmahls mehr Wein zu sich genommen hatte, als er sonst gewohnt war, blieb er mit selbiger gantz allein in der Cummer. Als er nun berauscht im Bette lag, und davon in einen tieffen Schlaff gerathen, nahm diese Jüdische Heldin sein eigenes Schwerdt, schnitte ihm damit das Haupt von dem Rumpffe, und ließ es ihre Magd, so sie bey sich hatte, in einen Sack stecken; worauff sie beyderseits nach Bethulien wieder zu giengen, und allda solchen von GOtt verliehenen Sieg verkündigten. Mittlerzeit da diese That im Lager kundbar ward, überfiel die Feinde ein solches Schrecken, daß sie in voller Verwirrung die Flucht gaben. Wegen solcher heroischen That ward Judith in gantz Israel nicht nur bewundert, sondern auch sehr geehret. Sie starb endlich in dem 105ten Jahr ihres Alters zu Bethulien, unn wurde daselbst zu ihrem Manne geleget. Judith. VII. Bayle in Diction. Histor.