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GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Semiramis, Der Assyrer Königin, des erstern Königs Nini Gemahlin, hat nach ihres Mannes Tode, den sie verborgen hielte, lange Zeit, unter angenommener Gestalt ihres Mannes in seinen Kleidern regieret, biß ihr Sohn zum herrschen tüchtig und mannbahr wurde. Sie hat das Reich durch ihre geführten Kriege sehr erweitert, auch die Mauren um Babylon auffgeführet; Indessen aber war sie sehr geil und unersättlich, so gar, daß sie aus ihrem Krieges-Heer sich täglich die schönsten und stärcksten Soldaten zu ihrer Bedienung heraus zog, als sie aber ihren eigenen Sohn zum Beyschlaff zwingen und beschwatzen wolte, soll sie von ihm ermordet worden seyn. Als sie einsmahls mit ihrem Haar-Auffsatz beschäfftiget war, und man ihr die schlimme Zeitung brachte, daß die Stadt Babylon ihr abtrünnig geworden, liesse sie den einen noch ungeflochtenen Theil ihrer Haare hengen, machte sich auff, zu wieder Eroberung solcher Stadt und schwur ihr Haar nicht eher wieder einzuflechten, biß sie die Stadt Babylon wieder unter ihren Gehorsam gebracht, weßwegen ihr auch zu Babylon eine Statua in solchen fliegenden und uneingeflochtenen Haaren gesetzet und auffgerichtet worden. Val. l. 9. c. 3.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1836–1837Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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