Philomela, Des Atheniensischen Königs Pandions Tochter, welche der Thracier König Theseus entführet, auf den Weg geschwängert, und damit sie ihn nicht verrathen und angeben könte, ihr die Zunge aus dem Halse geschnitten, und sie in ein Gefängniß gesperret. Weil diese Philomela aber vortrefflich weben und würcken konte, so entworff sie diese gantze Begebenheit auf ein Tuch, und überschickte solches durch die Aufwärterin ihrer Schwester der Progne. Theseus wurde zur Straffe in einen Wiedehopffen, die Philomela aber in eine Nachtigall, so ihre Fata und Unglück durch ihren beweglichen und angenehmen Gesang, der Welt vorpfiffe, verwandelt.
Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1483Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0