Schnür-Brust, Schnür-Leib, Schnür-Mieder auch Gorgentine genannt, Ist ein aus 16. 12. 8. oder 4. Theilen zusammen gesetztes und mit eitel dicht an einander geschobenen Fischbein-Stäblein durchsteifftes und belegtes Brust-Stücke, oben mit Achsel-Bändern auf beyden Seiten versehen, unten aber um und um mit eitel abgetheilten Schupen oder so genannten breiten Schöslein versehen, worinnen das Frauenzimmer ihren Leib zusammen zu schnüren und zu befestigen pfleget; sie wird ordentlich auf den Rücken hinauf mit einem darzugehörigen Schnür-Senckel zugeschnüret, insgemein sind sie von roher Leinwand oder Cannevas verfertiget, und mit bunter Seide auch öffters Gold- oder Silber-Faden gesteppet und zwischen ein iedes Stäblein Fischbein durchnehet, bißweilen aber werden sie auch mit Damast, Estoff, Taffet oder andern leichten Zeugen überzogen. Die Gattungen von selbigen sind unterschieden; als, die Englischen Schnür-Leiber, so aus sechzehn Theilen bestehen, und vornher über die Brust mit goldnen, silbernen oder seidenen Litzen Schnürweise beleget werden, Carsette, so aus acht Theilen bestehet, und von vorne über den darzu gehörigen Vorsteckelatz zugeschnüret wird, Casselette, so gleichfals aus acht Theilen bestehen, doch sehr schwach gesteiffet werden, und Feschke, so aus vier Theilen zusammen gesetzet wird, und sonder Achselbänder ist.