Sibyllæ, Waren bey denen Alten gewisse Weibes-Personen, und Heydnische Jungfrauen, die sich aufs Wahrsagen legten, und entweder mit dem Teuffel Gemeinschafft gehalten, oder die Leute auf andere Art betrogen; Es waren deren unterschiedliche, als die Persica, Lybica, Delphica, Cumæa, Erythræa, Samia, Cumana, Hellespontica, Phrygia, und Tiburtina, doch ist die Cumæa die vornehmste darunter gewesen. Was die Zahl dieser Sibyllen betrifft, so seynd vielerley Meynungen: Lactantius nennet ihrer zehen; Sebastianus Franck eilffe, andere gar 12. Plinius statuiret nur eine, insgemein aber zehlet man derer zehen. Ihre Weissagungen wurden allezeit auf Oel- oder Palmen-Blätter geschrieben. Was aber die Bücher anbelanget, so diese Sibyllen geschrieben, so ist gewiß, daß, so lange als die Heydnischen Käyser zu Rom geblieben, diese Sibyllinischen Oracula gar sorgfältig verwahret, und daraus zur Zeit der Noth und bey vorfallenden wichtigen Angelegenheiten guter Rath genommen worden. Es sind noch biß dato viel Griechische Verse, so in 8. Bücher eingetheilet sind, und Oracula Sibyllina genennt werden. Allein die meisten Gelehrten halten davor, daß sie ohngefehr im II. Seculo nach Christi Geburt an das Licht gekommen und fälschlich eingeschoben worden. Vossius führet an, daß die alten Sibyllinischen Bücher, so biß zur Einäscherung des Capitolii erhalten worden, lauter weltliche Dinge in sich begreiffen, diejenigen aber, so Octacilius Crassus aus Griechenland gebracht, einige Prophcceyungen in sich halten, welche von gewissen Juden vor Sibyllinische Oracula ausgegeben worden. Woher es auch kömmt, daß unter diesen Propheceyungen auch einige Verse gefunden werden, worinnen von der Zukunfft des Messiæ gehandelt wird.