Unterirdisches Frauenzimmer, Ist eine wundernswürdige Grotte bey August, unweit Basel in der Schweitz, in welcher eine verwüntschte Jungfrau, sich aufzuhalten pfleget. Sie soll von Leibe schön mit gekrönten Haupte, zu Feld geschlagenen Haaren, unter dem Nabel aber als eine abscheuliche Schlange anzusehen seyn; ihre Erlösung soll ihrem Vorgeben nach durch einen dreyfachen Kuß eines reinen und unbefleckten Jünglings geschehen. Ist dahero zu bewundern, daß da so viel hundert tausend reine und unbefleckte Junggesellen hier und dar in der Welt zu finden, sich noch kein Perseus finden wollen, der sich über diese arme Andromedam erbarmet.
Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 2082Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0