Baitz, Beitz, Beitzen, Jst ein Terme bey den Jägern, und heißt mit abgerichteten Raub-Vögeln, als Habichten, Falcken, Blau-Füssen, Sperbern, Sprintzen und andern auf die Jagd ziehen, und damit andere wilde Thiere und Vögel fangen. Sonderlich ist die sehr kostbare also genannte Reiger-Baitz bekannt, da, so bald als ein Milan oder Reiger aufgetrieben, und des Falcken gewahr wird, der Reiger in die Höhe steiget, worauf der Falck desgleichen thut, doch so, als ob er den Reiger nicht sehe, bis er ihn endlich überhöhet, worauf er anfänget mit seinen starcken Waffen auf den Reiger einen Griff zu geben, sich wieder über und um ihn herzuschwingen, bis er seinen Vorthel ersiehet, ihn gar anzupacken. Er hat sich aber dabey vor des Reigers spitzigem Schnabel wohl vorzusehen, weil solcher den Hals auf den Rücken legt, und den Schnabel über sich hält. Alsdenn kämpfen sie so lange mit einander, bis der Reiger überwunden wird, und zu Boden fällt. Es wird aber so ein Reiger, wenn er alsdenn beym Leben bleibet, und die hohe Herrschafft ihre Lust an der Baitze gehabt, gemeiniglich mit einem silbernen Wappen-Ring um den Fuß wieder losgelassen, so daß es sich vielmahl zuträgt, daß ein solcher Reiger über lang oder kurtz wieder gefangen wird, der einen oder mehr Ringe um den Füssen hat, wie dann der König in Preussen An. 1710 im May auf der Reiger-Baitze zu Linum unter andern auch einen solchen Reiger gefangen, welcher einen Wappen-Ring an dem Fuß gehabt, der ihm von dem Churfürsten Friedrich Wilhelm dem Grossen noch angeleget worden. So hat auch ein Fürst von Oettingen einsmals einen Raiger geringelt, und ihn wieder fliegen lassen, welcher nachgehends den vierten Tag hernach im Wolffenbüttelischen wieder gebaitzet, und gefangen worden, woraus zu bemercken, wie schnell sie fliegen können. Zur Hasen-Baitz braucht man so wohl den Habicht, als den Falcken. Man reitet in einer Reihe, als ob man hetzen wolte, und führet die Windhunde zwischen sich: Wenn nun die Stöber etwas aufgetrieben, läst man einen Windhund und auch den Falcken los, dieser eilet ihm in einem Bogen-Schuß nach, giebt ihm etliche Stösse oder Fänge, und hält ihn so lange, bis ein oder mehr Hunde darzu kommen. Der Habicht gehet dem Hasen niedrig auf der Erden nach, giebet demselben einen starcken Griff, und hält ihn fest mit der rechten Waffen, mit der lincken aber ergreifft er die Erde so starck, daß er den Hasen erhält. Die Hunde, so man zum Baitzen braucht, müssen des Vogels gewohnt seyn, und demselben keinen Schaden zufügen. Die Baitzen erfordern gut Wetter, weil bey trüben Himmel der Vogel keine Lust hat, und man nicht nur den Vogel, sondern auch den Raub leicht aus dem Gesichte verlieret. Jhren Anfang nehmen sie gemeiniglich um Bartholomäi, und endigen sich um Lichtmeß wieder. Zu Werfung des Vogels wird ein scharfsehendes Auge, ein guter Verstand und eine fertige Faust erfordert.