Lerchen-Falck, Jst ein kleiner doch edler Falck, welcher ein abgesagter Feind der Lerchen, und von denselben dergestalt gefürchtet wird, daß sie, wenn sie seiner ansichtig werden, sich an den nechsten und besten Ort verstecken, oder sich eher von einem Menschen mit der Hand aufheben lassen, als daß sie wieder auffliegen solten. Er hat einen ungemein schnellen Flug, ist aber zum Baitzen sehr hart, ja fast unmöglich abzurichten: Denn ob er wol bald abgetragen wird, auch des Menschen bald gewohnet, und dem Luder oder Feder-Spiel zuflieget; nicht weniger anfänglich, wenn mans in einem Zimmer mit einem Vogel probiret, auf die Erde sitzt, und sich den Raub bescheidentlich abnehmen lässet, so behält er doch diesen Gebrauch im Felde nicht; sondern so bald er in freyer Lufft auf eine Lerche geworfen wird, und solche fängt, begiebt er sich nicht auf die Erde, sondern führet meistentheils den Vogel, so bald er ihn in der Lufft ergriffen, nicht weit von dannen auf einen Baum, bis er sich gesättiget hat; oder, setzt er sich schon auf die Erden, so bald er den Weidemann merckt auf etliche Schritte annähern, erhebt er sich augenblicks mit seiner Beute, auf eine gute Strecke davon, und verzehret seinen Raub, ehe der Weidemann dazu gelangen kan. Aus dieser Ursache wird er nicht zum Baitzen, sondern auf eine andere Art zum Lerchen-Fang gebraucht: Man führet ihn nemlich nur auf der Hand, gehet oder reitet mit einem Hund in das Feld, und wenn der Hund eine Lerche auftreibet, hat man Acht, wo sie hinfällt läßt hierauf das Lerchen-Fälcklein auf der Hand flattern, so wird der furchtsame Vogel gewiß nicht aufstehen, den kan man hernach mit dem Tiraß überziehen, oder gar mit der Hand, oder auch mit einem in Gestalt eines kleinen Fisch-Hamens gestrickten, und an einem langen Stecken fest gemachten Gärnlein überdecken. Eine andere Art ist diese: den Falcken trägt man im Augusto oder September aufs Feld, wo Stoppeln sind, oder in die Wiesen und andere Orte hin, wo sich Lerchen aufhalten; wenn nun eine aufstehet, so mercket man den Ort, wo sie hinfällt, und gehet hin, die Lerche zu suchen, lässet aber das Lerchen-Fälcklein in währendem Hingehen auf der Hand immerdar mit den Flügeln wecheln, oder sich bewegen, ohne es von der Hand hinweg zu lassen, so liegt die Lerche, aus Furcht, wie todt, daß man sie, wenn ihrer zwey sind, tiraßiren, oder wenn nur einer ist, entweder gar mit der Hand, oder mit einem Gärnlein, das wie ein kleiner Fisch-Hamen aussiehet, zudecken kan. Eine andere Weise die Lerchen vom Ende des Augusti bis zu Anfang des Octobers zu fangen, ist diese: Wo viel Lerchen in den Stoppeln liegen, dahin man sie auch wol zusammen treibet, oder wo noch Haber auf dem Felde stehet, da richtet man gewisse Steck-Garn, welche eigentlich auf die Lerchen gemacht sind, und gehet auf der andern Seite des Haber-Ackers, oder eines Ackers, wo hohe Stoppeln zu befinden, mit dem Lerchen-Fälcklein hinein, lässet es auf der Hand mit den Flügeln sich bewegen, und schreitet gantz langsam fort, bleibt auch zuweilen wieder ein wenig stehen, damit man die in den Furchen lauffende Lerchen, nicht übereile und auftreibe; denn diese, wenn sie ihren Feind, das Fälcklein, so von ferne sehen, wollen sich in der Stille fortschleichen, und gerathen darüber alle zusammen in die vorgesteckten Gärnlein, darinnen öffters zwey bis drey Schock gefangen werden. Wie man sich aber des Lerchen-Fälckleins zum Lerchen-Fang bedienet, also braucht man hingegen auch die Lerchen, wenn man ein Lerchen-Fälcklein fangen will, und zwar folgender Gestalt: Man blendet nemlich eine Lerche, hängt ihr an einen Fuß ein subtiles mit Vogel-Leim bestrichenes Gäbelein, oder nur einen mit Leim bestrichenen Bindfaden, und so man ein Lerchen-Fälcklein herum refieren sieht, lässet man die Lerche sachte fliegen, welche, wie alle blinde Vögel thun, den geraden Weg über sich gehet; wenn nun dieselbe von dem Lerchen-Fälcklein ersehen und gestossen wird, so schlägt das Gäbelein über sich, wodurch das Fälcklein von dem Leime gefangen wird, und samt der Lerche herab fallen muß. Den Leim mag man mit Aschen, Seiffe und warmen Wasser wieder ausputzen. Dieser Vogel kan die Kälte durchaus nicht vertragen, daher muß man ihn nicht nur an einem temperirten Ort halten, sondern auch im Winter seine Sitz-Stange mit Hasen-Bälgen füttern.