Cavalier, Heißt eigentlich ein Reuter, insgemein aber braucht man dieses Wort von einem Edelmanne, welcher entweder im Kriege oder durch Hof-Dienste dem Lands-Herrn und Vaterlande ersprießliche Dienste leistet, und wenn er sich durch den ersten Weg vor andern hervorgethan hat, so wird er ein edler, tapferer Ritters-Mann oder Ritter genennet. Seine adeliche Geburt verbindet ihn, den Ruhm und Glantz seiner tapfern und tugendhafften Vorfahren, durch sein Verhalten nicht zu verdunckeln, sondern in mehrers Lustre zu setzen. Und da ihm seine edle Geburt vor denen vom Bürger-Stande den Weg zu hohen Kriegs- und Hof-Chargen bahnet, so soll er sich hierzu auch geschickt machen, und in seinen jungen Jahren die Mittel nicht verabsäumen, welche ihn dazu führen. Diese sind nun keine andere, als Studia und die Ritterlichen Exercitia. Von der Nothwendigkeit der Studiorum ist schon oben pag. 42 sq. unter Ἄμοὐσος etwas beygebracht worden, es wird aber noch mehr gesagt werden unter dem Titel: Cavalierement studiren. Daß aber die Ritterlichen Exercitia einem von Adel unentbehrlich seyn, zeiget der Nahme selbst schon an. Sie heissen Exercitia equestria, Ritterliche oder Adeliche Uibungen, und sollen folglich von den Adelichen geübet werden. Die Tantz-Kunst ist das erste, wodurch man an einem Menschen die daraus erlernte bonne grace und Geschicklichkeit im ersten Anblick gewahr wird, sie macht, daß man sich eine schöne Stellung des Leibes, einen zierlichen Gang und anmuthige Beugung angewöhnet, und bey angestellten Frölichkeiten seine Person wohl spielen könne; ja sie ist eine äusserliche Sitten-Schule, und thut den andern Ritterlichen Uibungen die Thüre auf und zu, und ist ihnen, wo nicht mehr, doch eben so viel, als die Philosophie den drey Facultäten der Gelehrsamkeit. Hieraus wird ein ieder so zu sagen mit Händen greiffen, es sey einem jungen Edelmann unumgänglich nöthig, eine so edle Kunst zu erlernen. Die Fecht-Kunst zu treiben nöthiget die Bosheit der Menschen einen Cavalier, damit er nemlich im Stande sey, sich gegen diejenigen klüglich und vortheilhafft zu wehren, welche ihn unbillig angreiffen. Die Reit-Kunst lehret ihn, wie er selbst geschickt zu Pferde sitzen, und sich eines Pferdes sowol im Kriege, als auch zur Parade, bey prächtigen Aufzügen, bey öffentlichen Schau-Spielen und andern Gelegenheiten klüglich bedienen solle. Und da ein Cavalier ursprünglich einen Reuter andeutet, so ist ja wol unstreitig, daß er das Reiten vollkommen verstehen müsse. Das Jagen einem Cavalier anzupreisen, scheinet überflüssig zu seyn, weil nicht leicht einer zu finden ist, welcher dazu keine Neigung spüren sollte. Dieses wenige wird hinlänglich seyn, die unumgängliche Nothwendigkeit der Ritterlichen Exercitien zu beweisen, und darzuthun, daß ie weiter es einer von Adel darinnen gebracht, um so viel desto geschickter mache er sich, dem Staate dereinst mit Vortheile Dienste leisten zu können.