FeedCavata
Literatur & SpracheRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Cavata, Deren Beschreibung ist aus dem Herrn Mattheson in dem Musicalischen Lexico also abgefasset: Cavata ist ein Adjectivum, das pro Substantivo, mit Auslassung desselben, gesetzt wird, und heisset: 1) Wenn eines weitläuftigen Recitativs gantzer Jnhalt gemeiniglich am Ende in gar wenig Worten gleichsam concentriret, und dergestalt heraus geholet wird, daß es (um einen Unterschied zu machen) nöthig, solche sententiösen Worte nach dem Tact und arioso zu setzen. 2) Wenn eine Arie, oder etwas anders, ungemein wohl ausgeführet, und nach Wunsche gelungen ist. Jn dem vollkommenen Capellmeister fol. 213 beschreibt sie Herr Mattheson also: Cavata ist eine besondere Gattung der Melodien; zu derselben gehören die Madrigale, Aufschrifften, Kling-Gedichte und dergleichen. Eine solche Cavata nun ist ein Gesang mit Jnstrumenten, der keine solche Eintheilungen, dabey aber einen weitern Begriff hat, als die Arien, und mehr auf eine scharfsinnige Betrachtung, als einen starcken Affect siehet. Er fügt daselbst ferner bey: die Leidenschaften sind von der Cavata und dem Arioso nicht schlechterdings ausgeschlossen, sondern sind in diesen beyden Stücken nur nicht so ausnehmend als in andern. Die Cavata will allemal eine reiche Begleitung haben, und kan unmöglich in wenig Worten bestehen; ob sie gleich von Rechts wegen nur einen eintzigen Satz oder Paragraphum ausmachen solte. Sie muß was ausnehmendes, nicht nur in demjenigen Umstande aufweisen, daß sie vom Recitativ, vom Arioso und von einer Arie unterschieden ist, sondern auch darinnen, daß sie sehr wohl ausgearbeitet werde; welches sich bey einem kurtzen Arioso gantz anders verhält. Hieher gehören demnach solche Sätze, die weder den Bezirck, noch die Eintheilung einer Aria haben, sich mit ihren Erwegungen weit über den gemeinen Recitativ erheben, und viel mehr als ein Arioso sagen wollen. Wegen der Jnstrumenten erinnert er, wenn man keine haben könne oder wolle, so dürfe man nur dem unentbehrlichen Clavier bey einer Cavata was ausserordentliches zu thun geben; denn dieses Werckzeug müsse auch sonsten offt die Stelle aller andern vertreten. Endlich zeiget er auch an, wo man Cavaten finde.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 308–310Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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