Dissonantiæ, Sind in der musicalischen Harmonie hartklingende zugleich anschlagende Enden der Jntervalle; ihnen stehen die Consonanzen entgegen, welche von selbsten wohl lauten, dahingegen die Dissonanzien solches ohne jener Beyhülfe nicht thun. Sie sind gleichsam das Saltz, Gewürtz und Condimentum der Harmonie, so wie die Consonanzien als Fleisch und Fisch angesehen werden können; daher ist mit sonderbarer Behutsamkeit bey ihnen zu verfahren. Die Dissonanzien allein geben keinen Geschmack; sie reitzen ihn nur, und das muß nicht zu viel oder zu starck geschehen. Jhr Gebrauch ist dreyerley. Denn sie kommen vor 1) in celeri progressu, in hurtiger Fortschreitung der Stimmen gleichsam unvermerckt. Und dieser Art sind die Note cambiate, oder Wechsel-Noten, wenn nemlich eine Dissonantz ohne Vorbereitung schrittweise, an stat einer Consonantz, im Niederschlage oder mit einem Accent bey hurtiger Fortschreitung vorkömmt; welches umgekehrt oder vertauschet ist, da eine Consonanz sich findet, wo eine Dissonanz seyn solte, und diese hingegen jener ihren Platz einnimmt. Jm General-Basse muß man gemeiniglich dasjenige zu einer solchen dissonirend-anhebenden Note greiffen, was eigentlich zu der nechstfolgenden gehöret. 2) in transitu, oder im Durchgange einer eintzigen Stimme. Die durchspringende oder durchgehende Noten finden sich nur im Anschlage der Zeitmasse ein, oder wo kein Accent ist; dagegen die Wechsel-Noten im Niederschlage, oder wo sich sonst ein Accent meldet, angetroffen werden. Bey den durchgehenden Noten vernimmt man den Mislaut zuletzt, bey den cambirten aber zuerst; jene sind unkräftiger, und rühren gar nicht starck; diese aber dringen tieffer ins Gehör. 3) in syncopatione, in Rückungen. Hievon wird eine allgemeine Regel insgemein gegeben: es müsse eine iede Dissonanz, welche solcher Gestalt rückend angebracht wird, vorher gegründet seyn, oder gut liegen, ehe sie angebracht wird. Da aber dieses Liegen von einem Ende des Mislautes zu verstehen ist, so ist es undeutlich geredet, daß die gantze Dissonantz, so doch allemal aus 2 Enden bestehet, vorher gegründet werden und liegen müsse. Es sind aber Dissonanzien die Secund, Qvart, Septime und None.