Colon, Jst ein bekandter Einschnitt der Rede, welcher einen vollkommenen grammaticalischen Verstand hat, dabey man aber doch gleich siehet, daß noch mehr folgen solle. Er hat seine Stellen sowol in einer gemeinen Rede als in einer Klang-Rede in Anführung einer Ursache, einer Wirckung, einer Erzehlung, eines Exempels, einer Folgerung, eines Gleichnisses, einer Uiberschrifft, eines andern Worte und a. m. Weil der Periodus durch das Colon nicht geschlossen wird, so kan er zwar wol einen Aufschub, eine verlangende Ruhe, Clausulam desiderantem, aber keine gäntzliche Endigungs-Cadenz in der Melodie leiden. Jnsonderheit kan man bey den Ursachen zwar inne halten, aber nicht wohl cadenziren; bey den Wirckungen ist keines von beyden erlaubt. Soll eine Erzehlung folgen, muß die Melodie in suspenso oder im Zweiffel gelassen werden; welches gemeiniglich in der Qvinte des Haupt-Tons durch 76 zu geschehen pfleget, ob es sich gleich auf andre Arten auch bewerckstelligen lässet. Bey Exempeln hat dieses gleichfalls stat. Hingegen brauchet die Folgerung keine Clausulam desiderantem. Die Gleichnisse können zwar eine vorhergehende Cadentz leiden; die Uiberschrifften aber keines weges, als welche durch eine Monotonie, das ist, wo einerley Klang oft hinter einander gebraucht wird, nemlich per unisonum continuatum, fast nach Art des gebundenen Kirchen-Styls ausgedrückt werden. Bey Anführung fremder Worte und nachdrücklicher Sprüche muß nicht nur die Melodie in etwas unterbrochen, sondern auch bey solchen Worten die Ton-Art verändert werden.