Feifel, Feiffel, Jst eine von den gefährlichsten Kranckheiten der Pferde, und kommet von einem grießlichten weissen drüsigten Unflat, welcher in Gestalt weisser Hanff-Körner, oder Schweins-Finnen am Halse, wo derselbe an den Kopff des Pferdes rühret, zwischen der Haut und dem Fleische stecket. Wenn dieser Unrath (der sich, wo er stecke, leichtlich mit den Fingern fühlen lässet) zerfliesset, so fället das Pferd augenblicklich um, und verreckt, ehe vier und zwantzig Stunden vergehen, wenn ihm nicht schleunig geholffen wird. Diese Kranckheit entspringet, wenn sich ein Pferd im Fressen oder Sauffen verfangen, zumal, wenn es etwan ein bisgen übertrieben worden, und auf die Hitze gleich gesoffen hat. Man kan es bald mercken, ob ein Pferd verfangen habe oder nicht: denn wenn es geträncket wird, und lässet zuletzt, wenn es aufhöret zu sauffen, das Wasser wieder aus dem Maul lauffen, so hat es sich nicht verfangen; Wenn es aber nach dem Sauffen das Maul feste zuhält, und lässet nichts wieder heraus lauffen, so hat es gewiß verfangen, und kriegt den Feiffel. Dieser giebt sich auch äusserlich bald zu erkennen, wenn dem Pferde, so damit behafftet ist, die Ohren und das Geschröte kalt sind, und die Zunge gleich trocken ist (denn sind ihm die Ohren kalt, und dennoch die Zunge warm und feucht, so sind es die Würme) item wann das Pferd ängstlich thut, schwitzet, nicht fressen will, sich niederleget, wältzet und kreistet, ohne daß es wieder aufstehen will, da ist denn das beste und geschwindeste Hülffs-Mittel, man lasse dem Pferd den Feiffel reissen, und dieses geschiehet folgender Gestalt: Man führet das Pferd aus dem Stalle, und leget die Ohren desselben am Halse herunterwerts gegen den Kinn-Backen zu, wo nun die Ohren sich enden, oder wo sie am Halse hinreichen, da, oder ein paar Qverfinger darunter, begreiffet man mit der Hand die Beulen, wo dieser finnichte Unflat, nemlich der Feissel drinnen stecket, welcher, wenn vorhero die Haut an solchem Ort mit einer Fliete geöffnet worden, heraus gegraben, und wenn von solchem alle Körnlein heraus sind, etwas Saltz mit Menschen-Speichel hinein gerieben werden muß. Wenn nun dieses auf beyden Seiten des Halses also geschehen, so lässet man ihm unter die Zungen in der Mitten eine Ader, welche zu der Zeit voller Bluts und aufgelauffen ist, daß sie leichtlich zu erkennen, und reibet ihm Saltz darein, oder sticht ihm den dritten Kern oder Staffel oben im Gaumen des Mauls und reibet das Maul mit Saltz, stecket ihm auch ein wenig Heu oder Stroh in die Nasen, damit es wieder brausend gemacht werde; Nachgehends decket man das Pferd mit einer Decke warm zu, führet es hin und wieder, bis ihm die Ohren erwärmen, giebt ihm einen Büschel Heu, macht ihm einen Tränck-Eimer voll Roggen-Mehl, Saltz und Wasser durch einander gemenget zu trincken, und lässet es einen Tag wohl ausruhen. Weil aber diese Kranckheit nicht völlig aussen bleibet, sondern, wenn gleich der Feiffel einmal gerissen worden, dennoch zuweilen wieder zu kommen pfleget, so brauche man noch folgendes Mittel, welches ein Pferd ein gantzes Jahr lang vor den Feiffel sicher macht: Man nimmt nemlich aus den Hollunder-Schößlingen, die dasselbige Jahr gewachsen sind, den Kern, bricht sie alsdenn zu Stücken, thut sie in einen neuen Scherben, setzt sie auf die Kohlen, daß sie wohl dürre werden, damit man sie klein zu Pulver stossen kan, und giebt dasselbige einem Pferd einer welschen Nuß groß in dem Futter oder auf einer Schnitten Brots mit Saltz gerieben, zu einer Zeit im Jahr, wenn man will.