Garn, Heisset man die, ihrem unterschiedenen Gebrauch nach, von starcken oder dünnen Bindfaden gestrickte Netze, so man zur Jagd, Fisch- und Vogelfang gebraucht. Bey der Jagd des hohen Wildes bedienet man sich der Garne, um sowol das Wild darinne zu fangen, als auch absonderlich der Tücher zu schonen. Dergleichen sind die Hirsch-Garn, Schweins-Netze, Prell- und Spiegel-Garn. Davon man die Hirsch-Schweins- und Spiegel-Garn auch zum Abhalten der Hirsche und Schweine gebraucht, und daher solche inwendig, wo des Wildes Gang und Lauff ist, vor die Tücher auf die Forckeln richtet, damit, bey dem Anfallen der Hirsche und wilden Säue, die Tücher nicht mögen durchbrochen oder zerrissen werden. Wenn aber das Wild nur ohne Tücher, und ohne grosse vorhergehende Zubereitungen soll gejagt werden, welches die Jäger ein Streiff-Jagen heissen, so müssen diese Garne ihre beste Dienste im Niederfallen und Bedecken des Wildes erweisen: Denn bey dieser Manier werden sie gerade aufgerichtet, doch dergestalt, daß, wenn ein Hirsch oder Schwein einlaufft, sie alsobald niederfallen, und das Wild also verstricken. Ferner hat man zum kleinern Wildpret die Reh-Garn, Hasen-Garn, Luchs- oder Lücken-Netze, Wolfs-Netze, Flach- oder Steck-Garn zu den Hasen- und Caninichen, wozu auch die sogenannten Jnn-Garn gebraucht werden. Zum Feder-Wild hat man allerley Flach- und Steck-Garn zu den Wasser-Hünern, Schnepffen, Wachteln; Tirasse zu Reb-Hünern und Wachteln; Hoch-Netze zu Reb-Hünern und Schnepfen; Pentieren oder Häng- und Zieh-Garne; Schnee-Garn; Nacht-Garn oder Nacht-Netze, ingleichen die Klebe-Garn oder Klebe-Netze, zu den Lerchen; Spinnen-Gewebe, zu den Raub-Vögeln, dergleichen man auch, wiewol auf andere Art, zu dem Amsel-Fang hat. Rebhüner-Beern oder Treibe-Zeug und allerhand Schlag-Wände zum kleinen Vogel-Fang. Alle diese oberzehlte Garne müssen durchgehends viele Busen und Höhlen haben, darein sich das Wild und Gevögel verwickeln und fangen könne; damit sich aber die Garne oder Netze weder weiter ausdehnen, noch sich einziehen mögen, als die nöthige Breite und Länge erfordert, soll der Weidemann die Garne nach der Breite, die sie haben sollen, nehmen, öffters auf einem grossen Platz dieselben ausbreiten, und denn mit Loh-Wasser besprengen, iedoch aber wieder wohl abtrocknen lassen, da sich denn das Geflechte an den Maschen so fest in einander schlinget, und zusammen hält, daß es grosse Mühe brauchet, wenn ein Garn sich über die juste Länge oder Breite ausdehnen soll. Die Garne zum Feder-Wild, werden entweder grün, braun oder gelb gefärbet; denn wenn sie weiß blieben, würde das Feder-Wild erschrecket, und dadurch fortgetrieben werden. Die grüne Farbe, welche die Vögel, so sich beständig im grünen aufhalten, nicht sobald gewahr werden, oder einen Scheu darüber haben, wird aus grünem Korn bereitet, so man zu einem Safft stösset, und damit das Garn über und über bestreichet, welches man hierauf samt dem Safft in eine höltzerne Wanne thut, und es Tag und Nacht darinnen liegen lässet. Die branne Farbe, welche die Garne am längsten erhält, macht man aus Gerber-Lohe: Wenn aber solche nicht zu haben, so nimmt man von den ausgegrabenen Wurtzeln eines Nuß-Baums die Rinden, zerhacket dieselben gröblich, und lässet sie eine Stunde lang im Wasser sieden; hernach legt man das Garn oder Netz unten auf des Kessels Boden, schüttet die Rinden mit dem Wasser darüber her, und lässet sie Tag und Nacht darinne weichen. Nach diesem thut man das Garn heraus, und lässet es wohl auswinden und trocknen, so bekommt es eine schöne hellbraune Farbe, welche sehr wohl dauren, und das Garn lange Zeit gut erhalten wird. Die gelbe Farbe macht man aus Schöll-Kraut: Von diesem nimmt man gantze Hände voll, und reibet das Garn durchgehends damit, als wie mit Seiffen, lässet es darauf wohl austrocknen, und zum Gebrauch aufheben. Wenn man die Garne lange Zeit gut erhalten will, so lasse man sie niemals Sommers-Zeit, sonderlich bey grosser Hitze, über eine Nacht im Wasser liegen, indem sie gleich morsch und dünne werden; hingegen kan man sie im Winter, wenn es nicht so sehr gefrieret, und sonst in den kühlen Zeiten, zwey Nächte und einen Tag darinne liegen lassen, nach welcher Zeit sie sodenn abgetrocknet werden müssen. Hiernächst muß man auch die Garn an solchen Oertern aufbehalten, wo es kein Ungeziefer von Ratten oder Mäusen giebt, auch dieselben an keine Wand, sondern in die Mitten an Stricke oder Stangen aufhängen. Wäre ohngefehr an einem Garn eine Schmaase oder Masche aufgegangen, muß solche ohnverzüglich wieder gefasset, und zusammen gezogen werden; denn wo dieses nicht geschiehet, so gehen die übrigen nach und nach von sich selber auf, und machen also das gantze Garn unbrauchbar; da im Gegentheil, wo man itztbesagte Stücke wohl in acht nimmt, die Garne noch eins so lange, als sonsten halten werden.