Gedruckt, Geschwellt, Wird ein Pferd, von einem ungeschickten Sattel oder Kummet, welches nicht aller Orten gleich auflieget, und an einem Orte zu weit, an dem andern aber zu eng ist; es geschiehet solches gar leichtlich denen Pferden, welche gerne schwitzen, oder eine zarte Haut haben, oder auch, wenn die Bäuste an denen Sätteln zu hart, und das Kummet so weit genommen, oder sonst ungleich ausgestopffet wörden. Dieser Zufall kan durch ein wohlpassendes Kummet, oder durch einen wohlgebauten Sattel und sanffte Bäuste oder unterlegte wollene Decken verhütet werden. Jst aber ohne diese Vorsorge, ein Pferd geschwellt oder gedrucket worden, soll man, sobald der Sattel oder das Kummet herab, den Ort mit starckem Brantewein wohl waschen, und mit Venedischer Seiffe starck reiben, daß es gischet, so wird sich die Geschwulst bald legen: Oder nimm frischen Leimen, bähe ihn ab mit Wein-Eßig, Brantewein oder Urin, und lege ihn über die Geschwulst: Oder lege von einem frischen Rasen das inwendige auf den Schaden, ein paar Tage und zwar iedesmals einen frischen, wasche hernach die Geschwulst mit frischem Wasser, oder kaltgegossener Laugen: Oder koche Schell-Kraut in Eßig, und lege es zwey- oder dreymal auf die Geschwulst. Oder rühre Küh-Koth, Saltz und Eßig durch einander, und schlage es über. Wenn ein Pferd auf der Reise gedruckt wird, da man es nicht abwarten kan, sondern seinen Weg fortsetzen muß, falls es im Sommer ist, so dörre und pulverisire man grosse Kletten-Blätter, streue das Pulver in den Schaden, und lege auch ein solches grünes Kletten-Blat oben darauf, so wird es nicht ärger, sondern ziehet die Hitze aus und heilet unter dem Sattel: Oder man nehme ein Stück von einem nur erst frisch abgezogenen Lamm-Fell und lege es unter den Sattel, doch daß das innere Theil auf den Schaden komme, so kan man reiten, wohin man will. Oder, man darff auch nur Lein-Oel und Eyer-Weiß durch einander treiben, hänffenes Werck darinnen netzen, und solches auf den Schaden legen, zugleich aber auch eine Kammer in den Sattel machen, daß er nicht aufliege, und also ohne Bedencken fortreiten, denn der Schaden wird bald heilen. Damit aber auch Haut und Haar bald wieder, wie zuvor wachsen, so nehme man vier Loth Lein-Oel, einen Schuß Pürsch-Pulver, und vor drey Pfennige Baum-Oel, mache ein Sälblein daraus, und schmiere es auf den Schaden. Würde aber die Geschwulst aus Uiberschen Materie machen, so nimm Honig und Staub-Mehl, mache es zu einem Teig, und streich es dick darauf; oder: nimm altes Schmeer und Unschlitt, iedes ein halb Pfund, ein Loth Lein-Oel, und vier Loth weisse Lilien-Wurtzeln, siede und stosse alles wohl unter einander, und mache eine Salbe daraus, bescheere das Pferd um zwey Finger breiter, als die Geschwulst ist, und schmiere es mit dieser Salbe täglich zweymal recht warm, so wird die Geschwulst davon gezeitiget, oder sie ziehet sich aus und verschwindet. Wird sie weich, und will sich nicht öffnen, so schlage mit einer Flieten darein, und schlitze die schadhaffte Stelle etwas länglicht an einem Ort, wo die Materie leicht ausrinnen kan, mache einen Meissel oder Wiecke von hänffenem Werck, so groß als das Loch ist, und stoß dergleichen alle Tage zweymal darein, schmiere aber auch iedesmal die Geschwulst mit obbemeldter Salben, und reinige die Wunde zugleich mit Wasser, darinne Odermennige oder Erlen-Linden gesotten, oder in welchem weisser Weyrauch zergangen sey; gieb auch endlich dem Pferde alltäglich einmal Wasser zu trincken, darinne Sanickel oder Sinau gesotten sey. Wenn ein Pferd gedruckt ist, und man solches doch nicht gerne schneiden lassen will, soll man sechs Loth Baum-Oel und zwey Loth Grünspan in einem neuen Tiegel über dem Feuer zusammen aufsieden lassen, bis es Blasen bekömmet, hernach zwey Loth Qvecksilber, und zwey Loth Vitriol hinein thun, und alles mit einer höltzernen Kelle wohl durch einander rühren, alsdenn aber, so warm als es vom Feuer genommen wird, den Schaden damit schmieren. Das Pferd darff sich in vier und zwantzig Stunden nicht niederlegen, noch lecken, als welches durch fleißige Vorsorge verhütet werden muß.