Hirsch-Fährte, Oder die Gefährt des Hirsches ist deutlich zu erkennen, indem dessen starcke Ballen breit als Hüner-Eyer, und weit von einander stehen. Die Lauff-Klauen sind im Fusse lang und rund gewölbt. Die Affter-Klauen, welche über den Ballen nahe stehen, und der Ober-Rück ist, sind manchmal gar deutlich zu sehen, und stehen hinter den Ballen, als hätte man zwey Daumen eingedrucket. Das Thier oder Stück Wild aber hat kleine Ballen, als die Tauben-Eyer, ist enge zwischen den Ballen: Die Schalen sind flach, lang und spitzig oder schmal. Den Ober-Rück, welcher höher über den Ballen, als dem Hirsche, und enger beysammen stehet, kan man nicht sehen, er trete denn Berg unter oder sey flüchtig. Ein Hirsch schreitet auch weiter und breiter als ein Thier, welches kürtzer und schmal schreitet. Die Alten haben zwar zwey und siebentzig Zeichen gezehlet, woran der Hirsch in der Fährte, und sonsten vor einem Thiere oder Stücke Wild erkannt und unterschieden wird, weil aber viele darunter, so gleichsam nur bey den Haaren hergezogen sind, als pfleget man nur die vornehmsten, welche dem Weidemann am öfftersten fürkommen, zu beobachten: Diese sind das Schrencken oder der Schranck; der Zwang oder das Zwingen; der Bürgel oder Burgstall; das Blenden oder der Blende-Tritt; der Beytritt: der Creutz-Tritt; der Schloß- oder Schluß-Tritt; das Geäfftere oder die Affter-Klauen; das Wenden oder die Himmels-Spur, auch das Himmels-Zeichen sonst genannt; das Schlagen; das Ausnehmen, und der Hinterlaß oder das Zurückbleiben; von welchen allen an behörigen Orten, unter ihren sonderbaren Benennungen, Erwehnung geschehen. Uiberhaupt wird zu der Fährte eines alten wichtigen jagdbaren Hirsches, der gut am Gefeiste ist, erfodert, daß vornemlich der Schranck eine gute Spanne breit, (weil der Zimmel starck ist) der Schritt dritthalb Werck-Schuh weit, beyde Ballen vier Finger breit, die Schalen an der Schärffe abgenutzet, und die Spitzen kleiner, rund und stumpff seyn. Eines jungen Hirsches Fährte oder Gefährte ist länglicht und weit, von Ballen scharff geschalet, der Oberrück hoch gelencket, und ie älter ein Hirsch, ie niedriger er gelencket ist, daß öffters bey alten Hirschen der Oberrück von den Schalen Fingers breit stehet, inwendig aber rund gewölbt, schreitet auch nach seiner Grösse weiter, als ein Thier und übereilet allezeit die vördere Spur, gehet geschräncket mit denen Ballen einwerts, und die Spitzen auswerts, und machet, so jung er ist, alle Zeichen seines Vaters, und wie ein Hirsch, nur nicht so vollkömmlich, sondern nach seinem Alter, auch den Beytritt, aus welchem man die Stärcke oder Schwäche des Hirsches observiren kan. Wenn eine Spur, Fährte oder Gefährte gegangen ist, zeigen zwey Schritt lang die Länge des Leibes an von einem Thiere. Jngleichen das Lager oder Wahn-Bette, und die Suhle weisen einem die Stärcke des Leibes deutlich. Ein Hänge-Seil oder dreyßig Schritte lang von demselben lässet er die Losung fallen, und stallet, ehe er weiter fortgehet.