Dam-Hirsch, Dämlein, Dänn-Hirsch, Tann-Hirsch, Jst eine sonderbare Art von Hirschen, welche nicht aller Orten, wie die gemeinen Hirschen, angetroffen, und dahero, obwol nicht gemeiniglich in grosser Herren Thier-Gärten, doch in andern dazu bestimmten sichern Plätzen zur Rarität gehalten werden, dahin man sie aus Lieffland, Dännemarck und Norwegen bringet, auch trifft man deren ie zuweilen in Preussen an. Er ist mittelmässiger Grösse, um ein ziemliches kleiner, als ein gemeiner Hirsch, iedoch grösser als ein Rehe-Bock: Die Farbe des Hirschen sowol als des Thieres ist gemeiniglich weiß, man findet aber auch rothgelbe mit weissen Flecken, gleich denen Hirsch-Kälbern, wie auch weiß- und braun-fleckigte. Das Gehörne oder Geweihe, wovon die untersten vier Enden, Augensprossen, das übrige Theil aber, welches breiter ist, Schauffeln genennet werden, wirfft er eben jährlich, wie die andern Hirsche ab, und setzet solches wieder auf; er hat auch keine Galle, hingegen einen längern Bürtzel oder Schweif, als die grossen haben. Das Thier setzet zu Ende des May-Monats seine Jungen, und zwar, wie die Rehe meistens zwey. Seine Brunfft geschiehet fast vierzehen Tage später, als der andern Hirsche, so ist auch seine Stimme zu solcher Zeit lange nicht so starck, und verschluckt er solche gleichsam in der Gurgel. Seine Fährte ist ebenfalls so zu spüren, wie der grossen Hirsche; er lässet auch unterschiedliche Losung fallen, nachdem er Weide oder Gras gehabt. Er wird viel leichter von Hunden gefangen, weil er nicht eine so schnell-lauffende Fährte hat. Sie halten sich gerne in trockenen Heiden im Unterholtze und jungen Gehauen auf, gehen auch nicht so zu Felde, wie Roth-Wildpret, sondern nähren sich im Holtze, von Gras, Kräutern, Knospen und Laub von Bäumen: Gehen im übrigen Truppenweise beysammen, ausser vom Ende des May an, bis zu Ende des Augusti. Das Thier, welches kleiner, als der Hirsch, führet seine Jungen, wenn sie lauffen können, zu ihres gleichen. Die Hirsche sondern sich auch nicht davon, breiten sich im Geäse von einander, und thun sich des Tages beysammen nieder. Wegen der Sommer-Hitze, und aus Furcht für denen Bremen, Fliegen und Mücken, lassen sie sich gerne in solchen Ländern finden, wo es kleine Gebirge und Thäler giebet, wenigstens suchen sie ihre Zuflucht im dicken Gebüsche. Dieses Wildpret ist nicht so gar wild als anders: Denn wenn es sich nieder gethan hat, und vernimmt etwas, so drücket es sich mit dem Kopffe vollends auf die Erden, und wartet ziemlich nahe, alsdenn fähret es im Dickigten fort und lauret wieder. Man hat eine sonderbare natürliche Feindschafft oder Antipathie zwischen denen grossen rothen Hirschen, und diesen Dam-Hirschen angemercket, dergestalt, daß, wo sich Dam-Hirsche aufhalten, daselbst die andern grossen rothen Hirsche weit davon abweichen, gar wegziehen, und ferner solche Gelegenheiten meiden. Wo aber beyderseits Gattungen, in einem Thiergarten eingesperret, sich zusammen ernehren müssen, nehmen die grossen rothen Hirsche mit gantzer Gewalt an allen Kräfften ab, und fallen endlich gar dahin, ohne daß man hiervon die eigentliche Ursache gründlich begreiffen kan. Wo man sie in gesperrten Thiergärten hält, da sie sich jährlich wohl mehren, muß man sie im Winter, auch, wo sie nicht genugsame Nahrung finden, wohl im Sommer mit Heu und anderer Fütterung versehen. Gleichwie dieses ein angenehmes und leichte zahm zu machendes Wild ist, also ist auch sein Wildpret lieblich und delicat zu geniessen, und werden sonderlich die an der Mutter noch saugende junge Dämlein allen Wildpret vorgezogen; ihre Häute aber werden vor andern sehr ästimiret, weil sie nicht nur zart, sondern auch fest und dauerhafft sind.