FeedJagd, Venatio, la Chasse
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Jagd, Venatio, la Chasse, Jst nicht nur eine Fürstliche Lust und Uibung, und welche zur Gesundheit des Leibes überaus dienlich ist, sondern auch, weil sie den tapffern Uibungen in vielen Stücken gleichförmig und verwandt, grossen Herren und andern Standes-Personen vor andern höchst anständig. Man lernet auf solcher das Gewehr zu Pferd und Fuß hurtig und geschickt zu gebrauchen, ein wildes Thier auszuspüren, demselben vorzubeugen, ja als einen Feind anzufallen, und zu erlegen, über dieses Frost und Hitze, Regen und Ungewitter, Durst und Mattigkeit zu ertragen, und seine Brust gegen die Gewalt grösserer Fatigven tapffer und rittermäßig zu härten. Sie ist die Wissenschafft, durch eine geschickte Ausübung den wilden Thieren und Vögeln entweder mit Gewalt oder durch List nachzustellen, sie zu fangen oder zu fällen. Sie ist ein der hohen Landes-Obrigkeit zustehendes Regale, von welcher sie aber auch zuweilen an verdiente Vasallen in gewisser Masse überlassen wird. Diese Uibung ist so nöthig als nützlich. Denn ausser dem, was bereits angeführet, wird ein Land oder Gegend von schädlichen reissenden Thieren gereiniget und gesäubert, das übrige Wild aber an Hirschen, Rehen, Schweinen, Hasen und Feder-Wildpret in gehöriger Zeit zu Nutz gebracht. Jn ihrer rechten Ordnung und Masse ist sie auch eine löbliche Uibung. Es sind aber die Jagden unterschiedlich, nach Art des Wildes, das gejaget wird, indem theils desselben sich von der Weide nähret, theils beißig ist, und in reissenden Thieren bestehet; unter jene zehlet man die Hirsche, Rehen, Damm-Hirsche, Hasen, Gemsen; unter die beißigen aber die Bären, das Schwein, den Luchs, Wolff und Fuchs. Nach Unterscheid der vielerley Arten der Thiere ist auch die Jagd, nach welcher ihnen nachgestellet, und der Zeug, so dabey gebraucht wird, unterschiedlich. Denn einige werden mit Tüchern umstellet, durch Hunde und das Waldgeschrey der Jäger nach dem Laufft getrieben, daselbst aus dem Schirm gepürschet, und von den Anwesenden zu Pferd oder Fuß im Lauff mit Fang-Eisen, Hirsch-Fängern, oder Pistolen erlegt; andere werden mit Wind- und andern Hunden gehetzet; andere in gestellten Gruben, Fallen, Eisen oder Schlingen gefangen; andere verlappet, durchs Klopfen aufgetrieben, oder an einen Ort gekirret, oder auf ihrem Wechsel von dem sich anstellenden Jäger gepürschet, oder ohne Netze und Garne mit den Parforce-Hunden gejagt und erlegt; wieder andere mit Falcken gebaitzet u. d. g. Hier ist auch noch der Unterscheid zwischen der hohen und niedern Jagd zu bemercken. Die hohe Jagd, Venatio superior, ist, da man das hohe, grobe, grosse, schwartze und rothe Wildpret jagen darff, als Hirsche, Rehe, wilde Schweine, Bären, Trappen, Auerhäne, Hasel-Hüner, Birck-Hüner, Schwanen, Fasanen, und dergleichen. Die Nieder-Jagd, Venatio inferior, begreifft die niedere Wildbahn, oder das kleine Wildpret, als Dachsen, Hasen, wilde Katzen, Feld- oder Rebhüner, Schnepfen, Enten, Wasser-Vögel, wilde Tauben, Krammets-Vögel, Lerchen u. d. g. An manchen Orten werden 3 Arten der Jagden gemacht, und die Mittel-Jagd noch hinzu gesetzt, welche das mittelmäßige Wildpret, als Frischlinge und Rehe unter sich begreifft.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1143–1145Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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