FeedFalckenier
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Falckenier, Jst derjenige, welcher die Falcken und andere zum Baitzen taugliche Raub- und Stoß-Vögel, aufzuziehen, abzurichten und bey der Baitze zu werffen gelernet hat, und davon Profeßion macht. Es muß derselbe ein verständiger, gedultiger und hurtiger Mann seyn, welcher eine angebohrne Liebe und Freundlichkeit zu denen Falcken haben, ihre Natur und Eigenschafft, Complexion und Humeur, aus dem Grunde verstehen, dieselbe mit gutem Bedacht und Behutsamkeit zu regieren wissen, sie mit einer hurtigen Faust zur gelegenen Zeit werffen, den Vogel nicht übel anfahren, auf ihn zucken oder schlagen, sondern desselben Mißhandlung mit guter Bescheidenheit und Sanfftmuth fein sittsam verbessern, und mit gutem Glimpff denselben wieder zurechte bringen soll; einen ieden Vogel, welchen er späte oder zeitlich abfliegen lassen müsse, wohl unterscheiden, sowol auf derselben ordentliche Fütterung, als auf ihre benöthigte Purgation und Reinigung zu rechter Zeit mit Fleiß sorgen, auch damit die Falcken oder Vögel gesund bleiben mögen, ihnen den Fraß nicht von groben alt stinckenden, sondern von weichen, zarten und reinen Fleische fein klar hacken solle. Des Falckeniers Kleid und Pferd sollen beyde grau, und dieses letztere nicht scheu oder schnarchend seyn; und weil mit einem einzigen Falcken, welcher leicht verfliegen, oder verlohren und verunglücket werden kan, nicht viel auszurichten, soll er wenigstens zwey bis drey abgetragene Falcken, ingleichen zween vorstehende Hüner-Hunde, vier Stöber mittelmäßiger Art, einen Wasser-Hund zu Enten und Gänsen, wie auch zum allerwenigsten einen Strick Wind-Hunde haben. Ferner hat er vor seine Person vonnöthen eine von feiner Leinewand sauber gemachte Weide-Tasche, worinnen er allezeit einiges Fleisch zum Fraß, oder ein paar lebendige Hüner oder Wachteln, dem Vogel zu geben, haben muß. An der Seite soll sein Feder-Spiel oder Vorloß, den Falcken damit wieder an sich zu locken, hängen. Seine Hände sollen mit ein paar grossen und weiten von gutem starcken Hirsch-Leder wohl gemachten Handschuhen verwahret seyn, damit der Falck desto fester und gewisser auf der Faust sitzen, und mit den Klauen nicht durchgreiffen möge. Vor den Falcken oder Vogel aber, und zwar vor einen ieden absonderlich, nach des Vogels Kopffs Grösse muß er haben eine von wohlausgearbeitetem Leder fein zierlich gemachte Haube, welche um die Augen des Vogels fein geraumig, rund, hoch erhaben, und oben auf der Platte mit einem von schönen bunten Farben zierlich gemachten, und mit dünnem Drat befestigten Feder-Büschlein versehen seyn, hinten gegen den Hals aber zertheilet seyn soll, daß sie von zwey gelinden Zug-Riemlein, der Nothdurfft nach, zu- oder aufgezogen, oder aufgesetzet und wieder abgenommen werden könne. Wie denn der Falckenier ein solches Häublein iederzeit auf der Krempe des Huts im Vorrath bey sich tragen soll, woran er vor andern Jägern zu erkennen und zu unterscheiden ist. Hiernächst muß auch der Falck das benöthigte Geschühe an seinen Füssen haben; solches bestehet aus zweyen ohngefehr eines Fingers langen, weißgearbeiteten, schmeidigen und gelinden Riemen, welche sauber ausgefrantzt, an die Falcken-Füsse fest angemacht, zwey hell-klingende Schellen, damit man ihn weit hören und finden könne, daran befestiget, und mit einem Spannen-langen, schmalen weissen Wurff-Riemen durchzogen werden müssen, dabey man ihn bey der Hand halten kan. Wenn aber der Falcke steigen soll, wird er abgehaubet, und dieser lange Wurff-Riemen vom Geschühe abgezogen, ihn ledig zu lassen. Endlich soll der Falckenier nicht des Winters beym Schnee, welcher den Vogel blendet, des Frühlings nicht zu früh im Thau oder Nebel, des Sommers nicht in grosser Hitze, noch des Herbsts bey trübem feuchten Wetter oder Frost den Vogel baitzen, auch denselben nicht alle Tage dazu gebrauchen, sondern nur etwan über den andern Tag, und bey hellem klaren Wetter mit demselben ausreiten, den Falcken aber alsdenn dergestalt tragen, daß er ihn nicht zu nahe an seine Augen oder Gesicht halte, weder zu niedrig noch zu hoch, und iederzeit fein frey trage, auch den Vogel wider den Wind auf der lincken Faust sitzen habe, damit derselbe mit seinen Schwinge-Federn nicht an des Falckeniers Kleid stossen möge.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 726–729Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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