FeedLöw, Leo, Lion
GeschichteRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Löw, Leo, Lion, Der König unter den vierfüßigen Thieren, ist großmüthig, indem er sich nicht an schwache unwehrbare Thiere machet, gehet, und laufft nicht, auf der Flucht, damit es ihm nicht für eine Furcht und Zagheit ausgeleget werde, wird meistens in dem hitzigen Africa gefunden, ist starck, geschwind und hitziger Natur, so daß man auch aus seinen Knochen Feuer schlagen kan. Er ist fahl an Farbe, hat einen breiten Kopff, grosses plattes Maul, weiten Rachen, grimmige Augen, einen dicken Hals mit einer zottigten Mähne (die Löwin hat keine Mähne) Zähne und Pfoten wie eine Katze, eine breite Brust, dünnen Bauch, starcke Lenden, 5 Klauen an der vordern, und 4 an den hintern Pfoten, einen dicken und langen Schwantz. Er hat keine Augenlieder, und kan den Aug-Apffel gar nicht bedecken, darum ihn auch die Mücken im Schlaff sehr plagen, daß er wol gar darüber ins Wasser gehen muß. Jnsgemein sauffen alle Löwen sehr wenig, weswegen der König Cyrus einsmals von seinem Kriegs-Volcke gerühmet, daß sie mehr Durst leiden können als die Löwen; leben sehr lange, können leicht zahm gemacht werden. Die Schönheit desselben, bestehet hauptsachlich in der Brust und vorderen Leib, die Stärcke hergegen hat er in dem Kopffe und Klauen. Das greulichste an ihm ist das Brüllen. Des Löwens Junge, die er nur sechs Monat trägt, sind anfangs gantz ungestalt und sehr klein, und kommen blind auf die Welt, er hat deren nicht offt, auch beläufft sich die Anzahl derselben anfangs auf fünff, und zuletzt, wenn er aufhört zu jungen, beschleust er mit einem; solche brauchen zwey Monat, ehe sie gehen lernen. An dem Schwantze kan man sehen, was er im Sinne führet, denn er ist erzürnet, so schlägt er mit dem Schwantz auf die Erde, wenn er aber guten Muths und besänfftiget ist, so schlägt er damit seinen eigenen Rücken. Wenn er nicht erzürnet worden, thut er den Menschen so leicht keinen Schaden, sondern lässet sich von selbigen gantz zahm machen, den Thieren aber ist er gewohnt sehr hinterlistig nachzustellen; sobald er nun einen Raub erhalten, saugt er zuvörderst das Blut aus selbigem, kommt ihm indessen ein anderer vor, spielet er diesem eben so mit, und gehet alsdenn erst wieder zum ersten Raub, um selbigen zu verzehren. Die Losung des Löwens, welche er aller zwey oder drey Tage giebt, ist wegen seiner hitzigen Natur gantz trocken und stinckend, dergleichen auch sein Athem und Urin, bey welchem letzten, wenn er solchen lauffen lässet, er das hintere Bein, wie ein Hund, aufhebet. Sein Fleisch wird wegen der so gar hitzigen Natur und groben Substantz nicht verspeiset: Das Blut soll wegen seiner Hitze den Diamant auflösen. Das Fett dienet wider den Gifft, die harten Geschwüre zeitig zu machen, und was damit bestrichen worden, davor sollen alle Thiere, sonderlich aber die Wölffe und Schlangen fliehen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1370–1372Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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