Magen-Schwachheit der Pferde, Rühret entweder von natürlicher Abnehmung der Kräffte, und dadurch verursachter böser Dauung, oder aber daher, wenn durch zu viel Einnehmung des Futters und Trancks, oder aber durch überflüßige Feuchtigkeit, die Dauung verhindert wird, daß die Speise nicht recht kan gekocht, und zu Stärckung und Ernehrung der leiblichen Kräffte behörig ausgetheilet werden, sondern nur rohe durchgehet, wie sie eingefressen worden, davon denn der Leib keine Krafft noch Nahrung haben kan. Oder sie kommet auch daher, wenn sich die verderbten Feuchtigkeiten in die Haut des Magens, gleich wie in einen Schwamm, einziehen, und seine Krafft schwächen. Die Zeichen aber dieser Schwächung sind, wenn die Pferde viel fressen und doch nicht ersättiget werden, welches dabey abzunehmen, daß sie alles benagen, und immer noch mehr fressen wollen, gleichwol aber abnehmen und schmal werden, daß man ihnen die Rippen vor Magerkeit sehen kan. Diesem Uibel zeitlich zu begegnen, nimmt man Meerrettich, schneidet ihn Scheibenweise, dörret ihn wohl und gut in einem Ofen, doch bey gelinder Wärme, stösset ihn zu Pulver, und giebt ihn dem Pferde im Futter; man soll es aber vorhero mit Fœnum græcum, welches vier Tage im Wein gebeitzet worden, füttern, hernach den Meerrettich und gestossenen Knoblauch zum dritten Theil unter das Futter mengen und also fressen lassen. Man kan ihm auch am Halse an beyden Seiten, ingleichen die beyden Spor-Adern schlagen, und ihme das Blut nebst gedachtem Pulver und Knoblauch geben. Ein anderes gutes Mittel, die Magen-Schwachheit der Pferde zu vertreiben, und dieselben wieder zu Kräfften bringen, ist: Man nehme ein Pfund Wachs, ein Pfund Terpentin, ein Pfund Hirsch-Marck, zwey Pfund Baum-Oel, lasse diese Stücke mit einander über dem Feuer mählich zergehen, thue gepülverten Majoran, blaue Lilien (Jris) und Kreide, iedes ein halb Pfund, und rühre es, bis es kalt wird; mit dieser Salbe schmiere das Pferd bey einer warmen Glut über den gantzen Leib mit beyden Händen, bis daß es wohl schwitze, und dieses thue man allezeit über den dritten Tag, neun Tage nach einander, bedecke und halte das Pferd wohl warm, darnach brauche man folgenden Tranck, welcher zur Stärckung des Magens sehr dienlich ist. Man nehme Stabwurtz-Kraut, Wurm-Saamen-Kraut, Gamanderlein, Je länger ie lieber, iedes vier Untzen, Enzian und Myrrhen iedes 2 Untzen, die Wurtzel von dem Kraut, Panax Heracleum genannt, woraus der Ponax Gummi, (Opoponax) gezogen wird, ein Loth Zucker, und so viel Rauten; stosse diese Stücke alle zusammen, und reitere sie durch ein dünnes Sieb, davon nehme man zwey Löffel voll, thue es in guten Wein, lasse es aufsieden, und wenn es wieder laulicht worden, so giesse man es dem Pferde in den Hals, welches hievon bald wieder zu Kräfften kommen wird.
Wenn ein Pferd viel frisset, und nicht dauet, soll man von einem Fisch (etliche wollen von einem Hechte) das Eingeweide rein machen, klein hacken, und dem Pferde in dem Futter zu fressen geben. Oder: Man gebe ihm Lorbeer, Enzian und Zittwer mit Saltz vermenget, zu fressen, das erwärmet ihm den Magen, und befördert die Dauung. Oder man lege ihm gut Heu und gedörrte Gerste vor, und lasse einen grossen Kessel voll Heu-Blumen sieden, seihe das Wasser durch ein Tuch davon, lasse das Pferd drey Tage damit träncken, und sonst mit keinem andern Wasser, davon wird es wieder eine gute Dauung bekommen.