Motet, Jst eine mit Fugen starck ausgeschmückte, und über einen biblischen Spruch bloß zum Singen, ohne Jnstrument, den General-Baß ausgenommen, verfertigte Composition: doch können die Sing-Stimmen auch mit allerhand Jnstrumenten besetzt und verstärcket werden. Vor alters wuste man bey den Moteten von keinem General-Baß, sondern die Stimmen musten alle in Partitur gebracht von dem Organisten wie eine Allemande oder anders Hand-Stück figurirt gespielet werden. Man wuste dabey von keinem andern Concertiren, als was durch die unsingbaren und unendlichen Fugen geschahe. Von Gemüths-Bewegungen oder Leidenschafften war nichts zu finden, keine Einschnitte in der Klang-Rede, keine rechte Melodie, keine wahre Zierlichkeit, ja gar kein Verstand war da anzutreffen, sondern lauter zerhackte Vollstimmigkeit und wüstes Geschrey. Solche Fugen waren nicht allemal ordentlich, sondern mehrentheils nur schlechte Nachahmungen, da eine Stimme die andre gleichsam äffete. Die Frantzosen nennen noch itzo alle ihre Kirchen-Stücke ohne Unterschied des Motets: Jedoch ist ihre Einrichtung etwas besser, als sie vor alters war; denn es kommen dabey offt Abwechselungen vor, daß nemlich eine oder andere ausnehmende Stimme sich etwan allein hören lässet und concertiret. s. Kirchen-Styl.