Prima Guardia, Jst eine Lection und Kunst-Stück auf dem Fechtboden, so im Contre-Fechten öffters vorkömmt, z. E. Lieget euer Contrepart mit langer Klinge vor euch, und seine Spitze stehet ein wenig in die Höhe, so gehet ihm mit der Prima (oder mit der Secunda) ausserhalb seiner Klinge, und gehet fast mit geschrencktem Leibe, und haltet ihm eure Spitze ausserhalb wohl ins Gesicht, und wenn ihr in der Mensur seyd, so passiret geschwind fort, und stosset mit der Prima ausserhalb über seinen rechten Arm hinein nach seiner Brust zu; 2) Da er aber hinten über sich führe, so stosset gleich mit der Secunda ausserhalb; 3) Battiret und machet eine Finte mit dem Stoß ausserhalb hinein; 4) Machet ihm eine Finte mit der Prima innerhalb oder ausserhalb: Wird er nach seiner rechten Seite zu fahren, so passiret geschwind, und stosset die Prima ausserhalb, und stellet euch wohl mit geschrencktem Leibe, also daß ihr eure rechte Seite ausserhalb damit entblösset, wird er alsdenn ausserhalb auf euch hinein passiren wollen, und mit der Secunda oder Tertia ausserhalb unter der Klingen hinein stossen, so habt wohl acht auf das Tempo, daß indem er stösset, ihr ihm seine Klinge mit der euren ligiret, pariret ihm seine Klinge mit der Secunda, passiret alsdenn geschwind ausserhalb auf ihn hinein. 5) So bald er euch ausserhalb angreiffet, so pariret ihm seinen Stoß mit der lincken Hand, und stosset mit der Prima contra tempo zugleich ihm nach seinem Ober-Leib zu.
Hieher gehören noch etliche Kunst-Stücke, in welchen man die lincke Hand brauchen kan und soll: 1) retrahiret euren Ober-Leib und eure Klinge zugleich also, daß ihr mit eurer Klinge in die mittlere Secundam kommet, und entblösset euch ausserhalb über euren rechten Arm damit, wird der Gegner alsdenn ausserhalb in die Blösse stossen, so pariret ihm seinen Stoß mit eurer lincken Hand, unten nach eurer rechten Seiten zu hinweg, und stosset mit der Secunda contra Tempo zugleich mit ihm nach seinem Ober-Leib zu. 2) Lieget einer mit langer Klinge vor euch, so gehet mit der Schwäche eurer Klinge ihm fast an die Stärcke innerhalb seiner Klinge, lasset alsdenn ferner eure Hand unter sich sincken, die rechte aber lasset nicht sincken, und wenn ihr dieses gebrauchet, so weichet allmählig zurück. So bald er euch alsdenn in die Blösse stossen wird, so pariret ihm seinen Stoß mit der lincken Hand unten nach eurer rechten Seiten zu hinweg, und stosset mit der Secunda contra Tempo zugleich mit ihm. 3) Gehet mit eurer Klinge in die mitlere Tertiam, und entblösset euren inwendigen Leib damit, und euren Ober-Leib retrahiret zugleich damit, wird er euch alsdenn eure Klinge innerhalb stringiren, und caviret nicht unter seiner Klingen durch, so bald er alsdenn eine quartam innerhalb stossen will, so pariret ihm seinen Stoß mit eurer lincken Hand, und stosset mit der Secunda contra Tempo zugleich mit ihm. 4) Will er innerhalb unter eurer Klingen hinweg passiren, so habt wohl acht, indem er passiret, daß ihr seinen Stoß mit eurer lincken Hand unten nach eurer rechten Seiten zu hinweg passiret, und stosset mit der Secunda contra tempo zugleich mit ihm nach seinem Ober-Leib zu. 5) Will er ausserhalb agiren, so pariret gleichfalls, und stosset mit der Secunda. 6) Will er über den Arm aus passiren, so stosset mit der Secunda contra Tempo. 7) Will er quartiren, so machet es eben so mit der Secunda. 8) Lieget einer mit seiner Klinge etwas niedrig, so gehet ihm mit eurer halben Stärcke der Klingen ausserhalb über seine Schwäche und sehet, daß ihr eure Hand in der Quarta wendet, wenn ihr mit eurer Klinge über die seine gehet. So bald er alsdenn eine Quarte auf euch voltiren will, so habet mit eurer lincken Hand wohl acht, indem er quartiret, daß ihr ihm dieselbe Quartam mit eurer lincken Hand unten nach eurer rechten Seiten zu hinweg pariret, und stosset alsdenn mit der Secunda contra Tempo. nach seinem inwendigen Leib.