FeedRäude, Räudigkeit
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Räude, Räudigkeit, Jst ein bekannter und unflätiger Gebrechen, welcher die Haut gantz schuppigt, rauh, voller Rufen und Krusten machet, oder es sind kleine Geschwärlein, welche die Haut durchnagen und beissen. Es ist dieses eine erbliche und ansteckende Kranckheit, und wo man ein solches Pferd nicht von der Weide oder aus dem Stall absondert, kan es alle andere damit anstecken, ja, wenn man ein Pferd nur mit einer Striegel, Wisch-Tuch, Sattel oder Zaum anrühret, welche zu einem solchen unreinen Pferde sind gebraucht worden, erben solche diese Kranckheit alsbalden. Es ist aber die Räude zweyerley, nemlich erstlich die Trockene, welche gantz keinen Eiter führet, und den obersten und äussersten Theil der Haut einnimmt, und von etlichen die schlechte und einfache Zittere oder Geflecht genennet wird. Die andere Räude ist dick und feucht, fast tieff in die Haut hinein, und wird der rechte Grind geheissen. Die Räude entstehet von vielen und mancherley Feuchtigkeiten, welche ihre Natur etlicher massen verlassen, und sich mit einander vermischet haben, welches iedermann aus des Grinds Rufen, daraus fliessendem Eiter, und dessen Farbe erkennen kan: Denn sie entspringet entweder aus dem verderbten und verbrennten Blut allein, oder aus einem so wiederum mit der verbrennten gallmäßigen Feuchtigkeit, oder mit der nicht natürlichen Melancholischen, oder mit dem gesaltzenen oder verbrennten Phlegmate vermischet ist, da bisweilen das Blut, bisweilen die Feuchtigkeit die Oberhand haben. Bey den Pferden entspringet auch wol die Räude daher, wenn man die Pferde hefftig arbeiten und dabey Hunger leiden lässet, ingleichen dieselben nicht fleißig putzet und reiniget. Die Zeichen sind offenbar, zudem reiben sie sich darneben an die Wände, Mauren und Bäume, und wo sie hinkommen, sie kratzen sich auch mit den Zehen und Füssen an dem Ort, wo sie es jucket und beisset; Denn der Grind nimmt den gantzen Leib ein, absonderlich aber die Schenckel, Geleiche, Mähne und Schwantz. Bey allen Räuden soll man observiren, daß man zuvor innerliche Mittel brauche, welche den Leib und das Geblüt reinigen, und die Räude heraus treiben, ehe man sie schmiert, und wenn sie wieder heil worden, muß man das Pferd wohl mit Laugen abwaschen. Vor allen Dingen soll man dem Pferde den Leib offen halten und Clystier gebrauchen, hernach folgenden Einguß geben: Nehmet Vitrum Antimonii ein Qvintlein, Saffran ein halb Qvintlein, und ein Nössel Wein, lassets über Nacht stehen, des audern Morgens seihet es ab, und gießt es dem Pferde auf einmal ein; oder machet einen Einguß von anderthalb Qvintgen Hepar Antimonii, 1 halb Qvintgen Saffran, 1 Qvintgen schwartze Nießwurtz, Jalappa, Lerchen-Schwamm, Aloes, iedes 2 Qvintgen, und 1 Nössel Wein, mischet es unter einander und giessets auf einmal ein. Man soll auch einem solchen Pferde die Hals-Adern, die Adern auf der Brust, in der Weichen, am hintern obern Schenckel, Fessel, Bug, Kegel, und zähe Adern schlagen, welche man befindet, daß sie dem schadhafften Gliede nützlich seyn. Scheere die Haare an dem Ort, wo die Räude ist, mit einem Scheer-Messer glatt hinweg, bis daß es blutet, wasche hernach das Pferd mit Laugen, darinnen-Alantwurtz und Eberwurtz gesotten worden, wenns trocken worden ist, so schmiere es mit nachfolgender Salbe: Nehmet lebendigen Schwefel ein Pfund, Terpentin ein Viertel-Pfund, Eßig so viel genug ist zur Dicke einer Salbe, und mischet es unter einander. Oder nehmet ungewaschene Butter als zwey Fäuste groß, und nachdem die Räude sich weit ausgebreitet hat; item, aus einer Feuer-Mäuer Rus, Schwefel für 3 Groschen klein zerstossen, denn für 3 Groschen Qvecksilber, für 2 Groschen Kupfferwasser, für 2 Groschen Alaun, stosset alles klein, knetet es mit der Faust durch einander, thut es in einen Topff, und salbet den Ort damit, wenn er vorhero mit einer Striegel wohl aufgekrauet, und mit unter einander gemengtem Hüner-Mist und Eßig rein ausgewaschen worden, 3 oder 4 Tage nach einander, doch daß er vor dem Schmieren allemal gewaschen werde. Sonsten wenn ein Pferd am Kopffe räudig ist, so nimmt man zwo Geuspen voll gute büchene Asche, und eine Hand voll ungelöschten Kalch, machet davon eine Lauge, lässet sie zwey oder dreymal durchgiessen, damit sie scharff werde; nimmt sodenn einen glasurten Topff, gießt zwey Meß-Kannen dieser Laugen darein, thut eine Hand voll Reinfarn, eine Hand voll Alantwurtz, und fünf oder sechs Tann-Zapffen darein, läßt es wohl mit einander sieden, wäschet das Pferd, wo es grindig ist, damit, bis daß es blutet, und wenn es wieder trocken worden, so nimmt man alt Schmeer, Alantwurtz, gestossenen Schwefel, und ein wenig Alaun, stössets unter einander, so wird eine Salbe daraus, schmieret den Schaden wohl damit, das thut man über den andern und dritten Tag einmal. So offt ihr aber schmieren wollt, so waschet es zuvor mit gemeldter Laugen. Jst ein Pferd am Halse räudig, so scheeret ihm, so weit es schäbig oder räudig ist, die Haare oder Mähne ab, und waschet mit vorgemeldter Lauge den Unflat rein ab, und so bald es trocken wird, so schmieret es mit dieser Salbe: Nehmet zwey Loth Lohr-Oel, zwey Loth Grünspan, zwey Loth Glätte, ein halb Pfund Rheinberger Schmeer, 2 Loth Qvecksilber, Kupffer-Rauch, gestossenen Schwefel, iedes 2 Loth, 4 Loth Armenischen Bolum, stosset diese Stücke wohl durch einander, damit das Qvecksilber in dem Schmeer getödtet werde, und schmieret es am schadhafften Ort, haltet ein heiß Eisen dagegen, und reibets wohl hinein; über drey Tage waschets wieder ab, und schmierets wieder, bis es heil wird. Wenn ein Pferd am Schwantz räudig oder schäbig ist, so schlaget ihm die Ader an der Riebe des Schwantzes, lassets wohl bluten, und thut in obgemeldte Lauge vier oder fünf Loth Vitriol, waschet den Schwantz rein damit, und schmierets mit der itztgemeldten Salbe bey einer Glut. Wenn ein Pferd an den Füssen räudig ist, so nehmet weissen Weyrauch und Salpeter, siedet solche in Wein, und bähet ihm die Schenckel damit, und wenn es sehr offen ist, so streuet Canarien-Zucker und gepülverte Lorbeer darein, als welches heilet und wohl trocknet; einem solchen Pferd soll man die Beine trocken halten, und es in kein Wasser oder feuchten Ort gehen lassen. Wenn die Füsse tröpfflen oder rinnen, so trocknet sie mit einem Tuche ab, und salbet das Roß mit Grünspan, Schwefel und Vitriol klein gepülvert und mit Honig vermischt, salbet die Räude damit, und darnach, wenn die Räude trocken worden, nehmet Terpentin, und mischet ihn mit Schwefel, und salbet es wohl. Wenn aber einem Pferde zu Winters-Zeit die Füsse offen sind, oder das Schnee-Wasser selbige aufgebissen hat, so nehmet Speck, lasset denselben zergehen, thut die Grieben davon, und hingegen klein gehackte Venedische Seiffe darunter, rührets bey dem Feuer wohl durch einander, bis es zu einer Salbe wird, schmieret dem Pferde die Füsse damit, so kan sich der Kot und das Schnee-Wasser nicht so bald darein legen. Die Wart und Pflege derer räudigen Pferde betreffend, soll der Stall im Sommer trocken und mittelmäßig kühl, im Winter aber warm seyn. Jns Futter soll man wöchentlich ein Loth Antimonii crudi geben, der Tranck aber soll Fließ-Wasser seyn, darinnen Lerchen-Schwamm, Alantwurtz und Hollunder-Rinden gesotten werden.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1876–1881Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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