FeedReverenz
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Reverenz, Eine artige ist das beste, so man, nebst der zierlichen Stellung und dem netten Gange, vom Tantzenlernen hat, und ist eine zu der äusserlichen guten Aufführung höchstnöthige und unentbehrliche Sache. Wie sie ihre Benennung von Reverentia hat, so eine Ehterbietigkeit oder Ehr-Bezeigung heisset, so ist sie eine ehrerbietige Beugung und Neigung gegen andere, welche von undencklichen Zeiten bey allen, sonderlich bey wohlgesitteten Völckern, obwol nach verschiedenen Arten und Manieren gebräuchlich gewesen. Es werden aber die Reverences entweder im Stehen, so Hinter-Reverenze, oder im Gehen, so Vor-Reverenze heissen, gemacht, und zwar anders von männlichen, und wieder anders vom weiblichen Geschlechte. Bey den Hinter-Reverenzen männlichen Geschlechts hebet man einen Fuß mit dem Absatz von der Erden, setzet denselben, indem man der zuverehrenden Person frey und freundlich in die Augen siehet, mit wieder steiff gestrecktem Knie ohngefehr einen guten Schuh lang auf die Seiten weg, bringet zugleich den Leib mit vorn ausgestossener Brust und freyem Kopfe darauf fort, hebet zugleich den Absatz von dem andern Fuß mit steiffern Knie in die Höhe, ziehet denselben Fuß, zugleich den Leib mit besonderm Douceur in den Hüfften allmählich tieffer und tieffer beugend, wie auch die Arme naturellement vor sich fallen lassend, langsam und steiff bis auf den halben Weg, und schlägt die Augen, nebst noch etwas tieffer gebogenem Ober-Leibe und Kopf, nieder zur Erde, und bleibt solcher Gestalt gebückt ein wenig stille liegen. Hernach bringet man den bisher langsam und steiff geführten Fuß vollends gebogen zurück, richtet zugleich den Leib wieder allmählig gerade in die Höhe, und lässet die Arme natürlich auf die Seite und den Absatz nieder auf die Erde fallen. Bey der anfänglichen mäßigen Leibes-Beugung erhebt man zugleich die rechte Hand ein wenig, und führet sie zierlich dem Munde zu; bey der völligen Leibes-Beugung strecket man sie zu den Füssen der zuverehrenden Person douce aus, und im Aufrichten und Heben des Leibes und Kopfes ziehet man die gestreckte Hand nach sich, und läßt sie fein natürlich wieder an die Seite fallen. Die

Vor-Reverenz wird von einem Cavalier also gemacht: Man richtet vor allen Dingen die Augen mit einer anmuthigen Wendung des Kopfes auf die zuverehrende Person; machet eine kleine ehrerbietige Vorbeugung gegen dieselbe, und läßt die Arme natürlich vor sich fallen; hebet zugleich auf derselbigen Seite, wo sich die geehrte Person befindet, den Absatz, indem der Fuß noch hinten stehet, mit gebogenem Knie von der Erde, bringt solchen Fuß bis zu des andern Fusses Ferse vor, setzet ihn daselbst nieder, und streichet ihn doucement auf dem Ballen mit steiffgestrecktem Knie gut auswerts und gerade vor sich so weit heraus, daß er ohngefehr einen gemeinen Schritt weit davon und mit dem Absatze gegen des hintern Fusses Schnelle zu stehen kommt, bringet unter währendem Streichen den Leib allmählig tieffer und tieffer, doch so, daß der Kopf mit dem vorn stehenden Fusse perpendicular zu stehen kommt, schläget die Augen nieder auf die Erde, und richtet sich beym Fortsetzen des andern Fusses wieder in die erste freye Positur in die Höhe, und bringet zugleich die Arme auf die Seite. Die

Visit-Reverenz, wobey die Vor- und Rück-Reverenz zusammen kommen, beruhet auf folgenden Anmerckungen: Man streichet den letztern Schritt mit dem rechten Fusse auf dem Ballen vor, machet im Streichen mit dem Leibe eine kleine Vorbeugung, und führet zugleich die rechte Hand entblösset nach dem Munde zu; Ferner tritt man, in voriger Positur liegen bleibend, mit dem lincken Beine bey Seite, beuget zugleich den Leib vollends nieder, strecket die gegen den Mund geführte rechte Hand zu der zuverehrenden Person ihren Knien, oder zu ihren Füssen niederwerts aus, und streichet mit dem rechten Fusse die ordentliche Hinter-Reverenz, iedoch anitzo, und so lange man gebogen lieget, gantz sparsam von der Stelle. Alsdenn richtet man sich wieder in die Höhe, bringet zugleich den bisher langsam marschirenden rechten Fuß mit einem etwas frischern Zuge völlig hinter dem lincken, und ziehet im Heben die gestreckte rechte Hand nach sich, und lässet sie natürlich wieder auf die Seite fallen.

Bey dem Abschiede streichet man, um einen Anfang zum Abtritt und Weggehen zu machen, die Vor-Reverentz gerade gegen die vor sich habende Person, tritt mit dem andern Beine ein wenig nach der Seite zu, wo man abgehen will, bieget völlig, ziehet den zuerst vorgestrichenen Fuß allmählig nach, und gehet im Aufrichten hinten weg.

Bey der Reverenz beym Tantzen wird mit beyden Knien douce und nicht gar tieff gebogen, im Heben mit dem rechten Beine etwas zurückgetreten, und mit dem lincken zurückgestrichen, und sodenn verfahren, wie bey der Hinter-Reverenz gewiesen, ausser daß man beym Aufrichten zugleich den rechten Fuß wieder mit von der Erde losgemachten Absatz hoch auf die Spitze ziehet und ein wenig stille hält. Sodenn wird wieder mit beyden Knien zugleich gebogen, und im Heben mit dem rechten Fusse hoch auf der Spitze vorwerts nach der lincken Seite zu gestrichen, mit gebogenen Knien auf die Hacken getreten, dem Leibe auf dem rechten die Bilanz gegeben, im Heben der lincke an den rechten angelegt, und sich auf des rechten Zehen ein Viertel von der Tour rechts umgedrehet, daß das Gesicht zur rechten gerade gegen die Dame, als welche sich ex opposito zur lincken schwinget, zu stehen kommt. Endlich wird daselbst abermal mit beyden Knien gebogen, im Heben mit dem lincken auf einer geraden Seiten-Linie aufwerts weggetreten, so daß Ferse gegen Ferse zu stehen kommt, iedennoch aber zwischen beyden eines Fusses lang Raum verbleibet, und alsofort bey der dritten Cadenz die andere Hinter-Reverenz, welche gegen die Dame geschiehet, mit dem rechten Fusse zurück gestrichen. Uibrigens hat man bey allen Reverenzen auf den Ort, wo man ist, zu sehen, und sonderlich gegen welche Personen man selbige machet, zu beobachten, und wie in allen Stücken, sein Judicium zu brauchen. Und weil auch dieses Stück des Ceremoniels seine Moden hat, muß man durch den Umgang geschickter und erfahrner Leute zu lernen suchen, was für Arten und Gewohnheiten bey ihnen herrschen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1936–1940Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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