Voltigiren, Wird für ein adeliches und dem Leibe eine trefliche Stärcke und Geschwindigkeit gebendes Exercitium gehalten. Es bestehet solches vornemlich in dreyerley, als in Heben, Springen und Schwingen: Man muß sich aber wohl in Acht nehmen, daß alles mit gestreckten Schenckeln gemacht, und kein Fuß verrencket werde, zu dem, so müssen auch die Arme und der Leib steiff seyn, und ie weniger das höltzerne Voltigir-Pferd, auf welchem diese Exercitia gemacht werden, berühret wird, ie zierlicher ist auch das Springen. Es werden aber solche Sprünge, nachdem das Tempo recht darzu genommen worden, unterschiedlich benahmet, als 1) der gewundene Sprung, wenn man hinten den Sattel mit beyden Händen fasset, sich hernach aufhebet, den lincken Fuß unter den rechten, und den rechten unter den lincken wirft, also, daß man dabey das Gesicht nach des Pferdes Kopf kehre. 2) Der gewundene Jungfern-Sprung, heist, wenn man zu des Pferdes rechten Seiten mit der lincken Hand hinten am Sattel und mit der rechten Hand vorn an den Sattel-Knopf greifft, den rechten Fuß um den rechten Arm durch den Sattel steckt, und sich also im Sattel drehet, daß man darinne zu sitzen komme, und das Gesicht nach des Pferdes Kopf kehre. 3) Der schlechte Jungfern-Sprung, wird gemacht auf des Pferdes rechter Seite, wenn man mit der lincken Hand hinten am Sattel greifft, schlägt mit der rechten Hand auf den Sattel-Knopf, springet mit dem lincken Fuß über solchen weg, daß man das Gesicht nach des Pferdes Kopf kehre, fasset sich hierauf ferner mit beyden Händen vorne an dem Sattel-Knopf, und hebt sich heraus, daß man hinter dem Sattel zu sitzen komme. 4) Die Schilet macht man, wenn man sich in die Höhe hebt, mit der lincken Hand hinten an den Sattel fasset, und mit der rechten Hand vorn, hierauf mit dem lincken Fuß hin und wieder spielet, und solchen durch den rechten Fuß in den Sattel wirfft, daß man darinne zu sitzen komme, das Gesicht nach des Pferdes Kopf kehrend, hierauf abermal mit beyden Händen den Sattel-Knopf faßt, und sich heraus hebet, daß man hinten zu sitzen komme. 5) Die Revers wird gemacht, wenn man sich in dem Sattel etwas lincks herum kehret, mit der lincken Hand an den Knopf, mit der rechten Hand hinten an den Sattel greifft, und so die Revers mit dem lincken Fuß macht, indem solche etliche mal um den Sattel gehet, und man zuletzt herunter springt. Also wird auch die Gegen-Revers mit dem rechten Fuß gemacht, wenn man sich im Sattel etwas rechtwerts herum kehret, mit der lincken Hand an den Knopf, und mit der rechten an den Sattel greifft, und so herunter springt. 6) Die Troit wird oben auf dem Pferd gemacht, wenn man die lincke Hand vorne an den Sattel-Knopf, und die rechte hinten an den Sattel legt, sich hierauf in die Höhe hebt, daß die Füsse voraus gestreckt seyn, hierauf den rechten Fuß durch den lincken durchschlägt, und also herunter springt, daß man auf der lincken Seite des Pferds zu stehen komme. 7) Die gantze und halbe Pomade ist, wenn man auf des Pferds lincker Seite stehend, mit der lincken Hand hinten an den Sattel greiffet, hierauf springt, und mit der rechten Hand hinten aufschläget, beyde Beine hinten über das Pferd wirfft, daß das lincke Bein über den Sattel schläget, daß man hinter das Pferd zu sitzen komme. Und was etwan solcher gefährlichen Sprünge mehr sind, die sich am besten auf den Voltigier-Böden erlernen lassen. 8) Der Schwantz- und Bein-Sprung. 9) Die Verwechselungen vorn und hinten etc. Weil aber diese Sprünge insgesammt eine grosse Force und Krafft in den Armen erfodern, und es nicht iedermans Belieben ist, seine gesunde Glieder also zu wagen, als ist dieses violente Exercitium des Voltigirens ziemlich ins Abnehmen gerathen, also, daß es heutiges Tages nicht viel mehr, als nur auf etlichen Fecht-Böden zur Curiosität getrieben wird. So war auch vor dem das Voltigiren über einen Tisch, Banck, Stuhl oder Tisch-Ecke mehr als heutiges Tages, da es den Lein-Täntzern überlassen wird, im Gebrauch. Es sind aber in solchen Tisch-Voltigiren folgende Lectiones die bekanntesten gewesen, als mit der rechten Hand eine Spanne von der Erden auf den Tisch zu schlagen, und krumm herum zu springen, daß man zu stehen komme, wo man angefangen: Den krummen Sprung über alle vier Tisch-Ecken zu machen, mit und ohne Handaufschlagen, die gantze Pomade über die Ecke des Tisches, wie auf dem Pferde; item die Troit, den gewundenen Jungfern-Sprung, und die Revers zu machen, über die Breite des Tisches, wie eine Pomade zu springen, an die Wand zu lauffen, den lincken Fuß an diesebe anzusetzen, und sich mit dem rechten über solchen herüber zu werffen, über den Tisch zu springen, daß man hinter solchen zu sitzen kommt, und hinter dem Tisch sitzend von demselben wieder hervor zu springen.