FeedRitter, (geschlagene)
GeschichteRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Ritter, (geschlagene) Lat. Equites ritu veteri stricti gladii percussu creati, sind zweyerley: Entweder sie sind von Kaysern und Königen an ihren Crönungs- und Vermählungs-Tagen geschlagen, und zugleich mit den güldenen Sporen beehret worden, wovon sie Equites Aurati heissen, zu welcher Classe vielmals Leute gelangen, die eben nicht von alter Adelichen Geburt, und mehr von der Feder, als dem Degen berühmt sind. Oder sie werden von den andern renommirten Rittern, wie auch von Bischöffen und Geistlichen zu Rittern geschlagen, wessentwegen sie Milites heissen, welches ehemals die eigentliche, unter den Soldaten und dem Adel höchst angesehene Ritterliche Würde war, deren sich auch Kayser, Könige und Fürsten nicht geschämet. Also findet man, daß Franciscus I König in Franckreich von seinem Unterthan Petro Terraile, Herrn von Bagard, vor der Schlacht bey Melignac, sich zum Ritter schlagen ließ. So wurde auch Henricus II von dem Marechal de Bisiens, Eduardus IV in Engelland vom Grafen von Devonshire, Henricus VII vom Grafen von Arondel, und Eduardus VI vom Hertzog von Sommerset, so alle ihre Unterthanen, zu Rittern geschlagen. Dergleichen Ritter haben in ihrem Eid unter andern die Formel, daß sie den Tod nicht fürchten, auch Wittwen und Waysen beschirmen wollen, da wo sie es zu beschirmen gebühret. Aus dieser Classe sind diejenigen Ritter, so sich auf Turnier-Spielen und Speer-Brechen in gantzer Rüstung, doch mit unbekannten Nahmen, öfters sehr wohl gehalten, und andere in Schlachten auf ein ernstes Stechen ausgefodert. Jngleichen die irrende Ritter, les Avanturiers, die solcherley Turnieren erpresse nachgezogen, und allerhand Abentheuer in der Welt gesucht, von welchen die alten Romainen oder Liebes- und Helden-Geschichte angefüllet stehen. Ein solcher geschlagener Ritter war ohnfehlbar vom Adel, oder paßirte doch wegen seiner eigenen hohen Verdienste iederzeit dafür: aber ein ieder Edelmann ist eben nicht ein Ritter. Ein solcher Ritter oder Miles, hatte gemeiniglich zwey Armigeros, oder Schild-Knaben bey sich, die noch unter ihm stunden und ihn begleiteten. Er besaß auch solche Lehns-Güter, wodurch er verbunden war, dem Könige oder Landes-Herrn als Soldat ins Feld aufzusitzen, und Kriegs-Dienste zu leisten, dahero man in den alten Diplomatibus und Krieges-Beschreibungen sehr offt das Wort Miles oder Ritter in diesem Verstande findet. Gleichwie nun ein Ritter den andern zu solcher Würde nach Beschaffenheit der Meriten erhub, also hat ein iedwedes Land im Ritterschlagen seine besondere Gebräuche gehabt, und wenn die Geistlichkeit sich dergleichen unterfieng, wie vornemlich bey den Creutzfahrten nach dem gelobten Lande geschehen, so muste der Candidatus zuerst beichten, die gantze Nacht im Gebet verharren, sein Schwerdt auf dem Altar opffern, Messe darüber lesen, und es durch den Priester segnen lassen. Alsdenn wurde ihm solches mit einem Gehänge, so von der rechten Schulter nach der lincken Hüfte zugieng, angehangen, und er nach verrichteter Communion und geleistetem Eide für einen aufrichtigen Ritter gehalten. Der gewöhnlichste Gebrauch aber zu Conferirung solcher Ritterlichen Würde war gemeiniglich vor der Schlacht, und wenn sich die Ritter wohl gehalten, wurden sie bey der Heimreise von ihrem Landes-Herrn mit Lehns-Gütern beschencket. Solches machte die Fürsten arm. Daher fiengen sie an, auf Ritterliche Ordens-Zeichen zu gedencken, die eben so groß von Hochachtung, aber nicht so reich von Einkünfften, als die Lehns-Güter waren.

Sothane Ordens-Ritter oder Ritterliche Orden werden in Geistliche und Weltliche eingetheilet, Lat. Ordines equestres, religiosi seu seculares. Beyde sind eine aus hohem und niedrigen Adel bestehende Gesellschafft, so von geist- und weltlichen Potentaten entweder zu Beschützung des Christlichen Glaubens und Bestreitung der Ungläubigen, oder zu Ausbreitung der Tapfferkeit, Belohnung der Treue, ingleichen zur Unterhaltung der Eintracht, und Vermehrung des Ruhms gewisser Nationen, gestifftet worden.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1955–1958Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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