FeedRoß-Schweiff
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Roß-Schweiff, Dieser ist das letzte Theil und Glied an einem Pferde, welches solches entweder schändet oder zieret, als ein Rattenschwantz, auch gar zu kurtzer Stumpf-Schwantz schändlich lässet. Ein langer Roß-Schweif aber von 12, 14 bis 16 Ellen ist die gröste und allerhöchste Zierde an denselben. Einem Pferde aber lange Mähne und Schweiff zu ziehen, muß man 1) ein Hengst-Fohlen nehmen, (massen die Stuten und Wallachen darzu untauglich) welches in einem Schalt-Jahr gefallen ist; 2) Soll man im andern Jahr den Anfang damit machen, 3) im zunehmenden Monden die Haare etwas stutzen, 4) mit Pferd-Geiffer und Saamen die Haare anfeuchten, und 5) mit Kleyen abfrottiren, damit das Haar gle ichsam eine Nahrung habe, 6) öffters auskämmen, und 7) wieder einflechten, 8) in einem ledernen Haarbeutel eingebunden, die Mähne aber in einem Zwilgen-Sack gesteckt, daß das Haar seine natürliche Wärme habe. 9) Muß solche Kunst-Cur etliche Jahr mit gröstem Fleiß und Mühe continuiret werden, bis es die völlige Länge erreichet.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1986–1987Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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