Ruhr, Jst eine Pferde-Kranckheit, so in einem unnatürlichen Bauch-Fluß bestehet, und in die weisse und rothe Ruhr unterschieden wird. Die
Weisse Ruhr erkennet man daran, daß das Pferd alle verdauete Speisen dünn und wässerig von sich giebt, auch bisweilen einen gelblichten und stinckenden Schleim und Kot ausläst. Sie kommet zum Theil von all zuscharffen Flüssen, welche von dem Haupt in den Magen fallen, oder von einem kalten Schleim, welcher die Falten des Magens glatt und schlüpfferig machet, auch von verderbten Speisen, gefrornem Gras, Hüner-Unflat, den die Hüner in die Krippe legen, Mäuse-Kot und dergleichen Unrat her. Jtem, wenn ein Roß viel Gerste gefressen, und alsbald viel kaltes Wasser in sich säufft, und in kalte Ställe gestellet wird. Oder, wenn eine scharffe gesaltzene Feuchtigkeit dem Magen in grosser Menge und Uiberfluß zuläufft und überschüttet. Diesen Bauch-Fluß soll man anfangs nicht bald stillen, sondern demselben aufs wenigste 3 Tage seinen Gang lassen, denn wo man solchen stracks stillete, so kan das Pferd ein solch Accidens bekommen, daß es darüber des Todes seyn muß. Nachdem also das Roß den Fluß drey Tage gehabt hat, so brauche folgendes Clystier: Gersten-Schleim anderthalb Nössel, rothen Zucker ein halb Pfund, Reiß-Safft oder Schleim ein halb Nössel, warm Wasser ein Nössel unter einander gemischt und applicirt. Oder, nimm Brühe von einem gesottenen Hammels-Kopf ein Maaß; Wasser, darinnen glühender Stahl abgelöschet worden, anderthalb Maaß, Pappeln, Bingelkraut, Camillen, Maur-Rauten iedes eine Hand voll, alles wohl unter einder gekocht, seige die Brühe von den Kräutern ab, und nimm derselben zwey Maaß, Baum-Oel ein Viertel Pfund, Camillen und gelb Lilien-Oel iedes zwey Loth, Saltz eine Hand voll unter einander zu einem Clystier gemischt und applicirt. Hierauf nimm des Pulvers von einem gedörrten Hechte drey Loth, weissen Wein ein Nössel, Pfeffer ein halb Loth, mische es unter einander, und gieß es dem Pferde auf einmal ein. Oder Vitrum Antimonii ein Qvint, Wein ein halbes Maaß, über Nacht stehen gelassen, und des Morgens dem Pferd auf einmal eingegossen. Oder, nimm des Rhabarbari veri ein halb Loth, anderthalb Loth Raponticum, gelbe Mirobalanen ein halb Loth, Cichorien-Wasser anderthalb Nössel, und laxirenden Rosen-Syrup sechs Loth; mische es wohl unter einander, und gieß dem Pferde auf einmal ein. Wenn der Leib durch dergleichen Einguß etliche mal gelediget worden, so muß man alsdenn zu den stopffenden Mitteln greiffen; Nimm also präparirten Blut-Stein zwey Loth, gebrannt Elffen-Bein vier Loth, Drachen-Blut zwey Loth, Mastix und Schlesische Siegel-Erde zwey Loth, Armenischen Bolus vier Loth, mache es zusammen zu einem Pulver, und gieb davon dem Pferd drey Loth in einem halben Maaß Wein ein. Oder, nimm des gemeinen Flöhe-Krauts, so Flecken hat, Safft ein halb Nössel, Hauswurtz-Safft und Wein, auch iedes ein halb Nössel, siede es ein wenig unter einander, und gieß es dem Pferd auf einmal ein. Oder, nimm gedörrte und gestossene Mespeln oder Mispeln, Pfeffer ein Loth, Wein ein halb Maaß, und mache einen Einguß davon. So es eine allgemeine gifftige Seuche wäre, so nimm präparirtes Hirsch-Horn, gedörrt Qvitten-Pulver iedes zwey Loth, Theriac eine Qvint, Diptam, Siegel-Erde und Armenischen Bolus iedes ein halb Loth, Wein anderthalb Nössel unter einander gemischt, und dem Pferd auf einmal eingegossen. Oder, misch gebrannt Hirsch-Horn, Wegerich-Saamen, Schlesische Siegel-Erde, Sandel, Sumach, Gall-Aepfel, gedörrte grüne Maul-Beer, gedörrte grüne Schlehen, iedes 1 Loth unter einander, und gieß es dem Pferd in einem halben Maaß Wegerich-Wasser auf einmal ein. Man kan ihm auch Roggen-Kleyen sechs Hände voll mit vier Loth Johannis-Brot vermischt, oder Erlen-Laub und häselne Mistel iedes drey Loth unter dem ordentlichen Futter zu fressen geben, und damit etliche Tage continuiren. Gieb ihm auch täglich zwey mal ein Qvint Weyrauch auf einer Schnitte Brot zu essen. Die
Rothe Ruhr ist ein Durchlauff mit grossen Schmertzen, Grimmen und Reissen im Leib, da erstlich ein Schleim, welcher wie s. v. Rotz anzusehen, hernach eine mit Blut vermischte Feuchtigkeit, denn unter den gallichten und vielfärbigten Excrementen kleine von den Därmen abgegangene Fäserlein und Häutlein, und endlich gar Stücklein von zerfressenem und corrumpirten Gedärme in dem Bauch-Fluß mit weggehen. Sie entstehet von scharffen Haupt-Flüssen, welche von dem Haupt in den Magen fallen, und mit ihrer Schärffe noch mehr dergleichen Feuchtigkeiten von andern Orten, sowol aus der verbrannten Cholera, als auch aus dem gesaltzenen Phlegmate, herbey ziehen, oder aus Verstopffung der Leber, Zerreissung und Durchnagung einer Blut-Ader und dergleichen. Diesem Uibel begegnet man mit solchen Clystieren, wie oben bey der weissen Ruhr angeführet worden: Denn auch in dieser der Fluß vor den dritten Tag nicht zu stillen ist. Kommt nun die Ruhr von der Cholera oder Hitze her, so gebe man dem Pferde folgenden Einguß: Dörr Hasen-Blut, dörr Hirsch-Blut, dörr Bocks-Blut, Tormentill, Crocum Martis obstructivum, oder stopffenden Eisen-Saffran, iedes ein halb Loth, Saft vom Wegerich und gebrannt Wegerich-Wasser iedes ein halb Nössel, unter einander gemischt, und dem Pferde auf einmal eingegossen. Wenn die Gedärme schwären, soll man folgende Stücke, nemlich, rothe Kicher-Brühe ein Maaß, Honig-Wasser ein halbes Maaß, Ziegen-Unschlitt ein Pfund, nebst einer Hand voll Saltz und fünf Eyer-Dottern nehmen, unter einander mischen, und als ein Clystier laulicht appliciren. Man kan hierzu ein anderes Clystier folgender gestalt machen: Linsen-Brühe von Sumach und Granat-Aepffeln iedes ein Maaß, Armenischen Bolus zwey Loth, Drachen-Blut ein Loth, Baum-Oel ein halbes Pfund, eine Hand voll Saltz und zwölff Eyer-Dottern, unter einander gemischt und laulicht applicirt. Nach dem Clystieren soll man zwey Loth Gall-Aepffel, eben so viel Sumach, acht Loth Eßig, und anderthalb Nössel dick rothen Wein unter einander mengen, sieden, und dem Pferde auf einmal eingiessen. Die laulichte Brühe von den mittelsten eichenen Rinden, und den Eicheln ein halb Maaß, giebt auch einen guten Einguß. Wenn aber die Ruhr von der Kälte entsprungen, so gieß dem Pferde der Brühe von Castanien-Mehl und Bohnen-Mehl ein halb Maaß auf einmal ein. Für die rothe Ruhr insgemein, nimm Gall-Aepffel und Cypreß-Nüsse, von iedem zehen Stücke, Schalen von Granat-Aeffeln drey Loth, siede diese Stücken zusammen im rothen Wein oder Eßig, und gieß dem Pferde auf einmal ein halbes Maaß davon ein. Oder nimm Saffran ein Qvint, Myrrhen zwey Loth, der Blüthen vom Gartheil vier Loth, Petersilien-Saamen ein Loth, Wein-Rauten und roth Garben-Kraut iedes vier Loth, Jsopen, Bertram, Tormentill iedes zwey Loth, gebrannt Hirsch-Horn drey Loth, Zimmet-Rinden ein Loth, Siegel-Erde, Armenischen Bolus und Crocum Martis iedes zwey Loth, mische es unter einander zu einem Pulver, und gieb dem Roß auf einmal vier Loth ein, in einem Nössel Gersten-Brühe oder rothen Wein. Ein solches Pferd soll in einem mittelmäßig warmen, trockenen, und von allen Winden befreyten Stall stehen, mit einer guten Streu versehen, und immer fein warm zugedeckt seyn. Zum Futter soll man ihm Kleyen mit Honig-Wasser angefeuchtet, oder mit Hirsen-Mehl vermischt; item erlenes Laub auf dem Futter dürr zerrieben, Granat-Aepffel-Schalen, dürres Hechts-Pulver, ingleichen die Blätter von Brombeer-Stauden, gebrannt Hirsch-Horn, Speltz, Haber, geröstete Gerste mit Eßig besprenget, oder Gersten in Wegerich-Wasser genetzt, Gersten- oder Roggen-Spreuer mit Eßig genetzt, und mit ein wenig Sumach vermischt, oder Linsen-Mehl geben, iedoch soll das Futter nicht überflüßig seyn Der Tranck soll Regen- oder Fließ-Wasser mit Gersten-Hirsen-Castanien- oder Reiß-Mehl angemenget, oder auch Tormentill oder Crocus Martis darunter gerühret seyn.