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AllerleiRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Saite, Heisset ein gedreheter fester Faden, welcher, so er straff angezogen wird, nach seiner Stärcke einen Klang oder Ton von sich giebt, dannenhero dergleichen Faden ihren meisten Nutzen bey den Musicalischen Jnstrumenten oder Saiten-Spielen schaffen. Es werden dieselben theils aus Metall, theils aus den Gedärmen der Thiere bereitet. Die metallene sind nichts anders als ein ordentlicher Drat, welcher aus eisernen, ertztenen oder auch wol silbernen subtilen Stäblein verfertiget wird, welche so lange durch die an der Weite immer zu abnehmende Löcher eines Eisens gezogen werden, bis sie die verlangte Stärcke erhalten. Die aus den Därmen gemachte Saiten betreffend, so ist ie eines Thieres Eingeweide darzu dienlicher als des andern; doch braucht man am allermeisten zu denselben die Därme der Schafe, Ziegen und Katzen, ihre Zubereitung bestehet in folgenden: Es werden dieselbe zuförderst der Länge nach aufgeschlitzet, und auf das sauberste gereiniget; hierauf windet man sie über breite Rahme und dörret sie. Nach diesen beitzet man selbige acht Tage lang in scharffer Lauge, indem sie täglich in die viermal und noch mehr daraus gewaschen werden, und spaltet auch die zu den kläresten Saiten, damit sie recht zarte werden. Endlich machet man sie vermittelst etlicher Schrauben nach der Seiler-Art auf ein Rad feste, und spinnet sie durch vortheilhaftes Umdrehen. Zuletzt wenn sie nach ihrer unterschiedenen Stärcke gesponnen, werden sie der Länge nach an die Wände eines Kastens, der einen von dichter Leinwand bereiteten Deckel hat, über höltzerne Nägel gezogen, und abermal getrocknet, worbey sie, indem der Kasten überall wohl vermacht, aufs beste mit Schwefel durchräuchert werden, davon sie eine schöne gelbe Farbe bekommen. So lassen sie sich auch roth, grün, blau, u. s. f. färben, wenn diese Farben glat abgerieben, mit scharfer Lauge angemacht, und die Saiten darein getuncket worden. Nachdem solche auf eine und die andere Art gantz fertig, überstreichet man sie mit dem besten Oele, und bindet sie gemeiniglich in Büschlein, deren 60 für ein Bund gerechnet werden, 60 solcher Bunde aber machen ein Kästlein aus, nach welcher Weise man sie verkaufft und versendet. Ob es nun wol noch verschiedene andere Arten der Saiten giebt, welche aus Flachs, Hanf, Seide, Coccus-Blättern, Alöe-Blättern, von der Jucca und was deren mehr, zubereitet werden können; so behalten dennoch diese bereits beschriebene, und zwar vornehmlich bey Musicalischen Jnstrumenten den Vorzug und Preis.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2021–2023Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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