Zäumung der Pferde, Le Brider des chevaux, ist ein nothwendig Stück der Reitkunst, gleichwie an einem Schiff das Steuerruder, also ist an einem Pferde das Maul das vornehmste, damit man den gantzen Leib wenden, kehren und regieren soll; daher selbiges im Anfange sanfft und gelinde zu zäumen, damit es willig, gerne, lustig und gedultig der Faust folge, und nicht durch Ungestüm, Grobheit und Unwissenheit verderbt und zernichtet werde. Anfangs sind also die allergelindesten Mundstücke und Stangen bey einem jungen Pferde zu gebrauchen, solche muß man nicht grob und zornmüthig in das Maul stossen und einzwingen, sondern mit leiser Hand und guten Worten, auch das Gebiß mit Saltz bestreichen, damit sie es lieber einnehmen, und ja nicht reissen oder zucken, dabey wohl zusehen, daß es recht hinter den Hackenzähnen ins Maul hinein einen Qveer-Daumen liege, und wann es aufgezäumt, kan man es im Stande umkehren, und mit den Hefftzügeln beyderseits an den Seulen, aber nicht zulang anbinden, eine Zeitlang so stehen lassen, und dann wieder sittsam und gemach abzäumen, mit der Hand und Stimme liebkosen, etwas zu essen geben, und dieses kan man etliche Tage continuiren und fortsetzen. Wenn man nun ein Pferd hierzu bringt, so ist das erste Fundament vernünfftig und wohl gelegt, und wenn das Mundstück und Stangen einem jungen Pferde dienlich ist, wirds desto lieber von ihm angenommen, bleibt vom Kopff desto steter und aufrechter: Hingegen wann ihme das scharffe Mundstück zuwider, wird es unruhig, und stellt sich zu allen ungeberdig, hänget den Kopff, und liegt schwer in der Faust, so eine nicht geringe Untugend ist. Also gehört, ein Pferd recht und gut zu zäumen, Kunst und Erfahrung darzu, es ist auch die Beschaffenheit des Mauls, ob es seicht oder tieff, ob die Leffzen dick oder dünne, ob das Kinn zart oder hart, ob die Zunge dick oder schmal, lang oder kurtz sey, und mehr andere Umstände zu betrachten, und sowol das Mundstück, als auch die Stangen und Kinnketten darnach einzurichten, daß die Stangen nicht zu lang noch zu kurtz, das Gebiß weder zu enge, noch zu weit, und die Kinnketten weder zu klein noch zu plump und schwer sey, damit die Einstimmung eines mit dem andern alles leichter und behäglicher mache.