FeedHerbst
HimmelskundeBrockhaus 1882

Herbst (lat. Auctumnus, frz. Automne, engl. Autumn) nennt man im gewöhnlichen Leben diejenige Jahreszeit, welche den Ubergang vom Sommer zum Winter bildet und während welcher die Temperatur sinkt und die Vegetation allmählich abstirbt; in der Astronomie diejenige Zeit des Jahres, in welcher sich die Sonne dem Aquator nähert und die Tage abnehmen. Der astronomische Herbst umfaßt daher auf der nördl. Hemisphäre diejenige Zeit, in welcher die Sonne die Grade 180 bis 270 der Ekliptik (s. d.) durchläuft, und beginnt hiernach mit der Her bstnachtgleiche (Kequinoctium auctumnale), d. i. an dem Tage, an welchem die Sonne beim Durchlaufen der niedersteigenden Zeichen der CEkliptik in das Zeichen der Wage tritt und von Norden her den Agquator erreicht (um den 23. Sept.), auf der südl. Hemisphäre an dem Tage, an +½ sie lentsprechend dem Frühling der nördl. Halbkugel) beim Durchlaufen der aufsteigenden Zeichen der CEkliptik in das Zeichen des Widders tritt und den Aquator von Süden her erreicht (um den 21. März). Das Ende des H. fällt auf den Zeitpunkt, an welchem die Sonne ihre niedrigste Mittagshöhe zeigt (Wintersolstitium), d. i. für die nördl. Halbkugel um den 21. Dez., wenn sie sich vom Aquator am weitesten nach Süden entfernt und auf der südl. Halbkugel den Wendekreis des Steinbocks erreicht hat, für die südl. Halbkugel um den 21. Juni, wenn sie sich vom Aquator am weitesten nach Norden entfernt und auf der nördl. Halbkugel den Wendekreis des Krebses erreicht hat. Diejenigen Zeichen der Ckliptik, welche die Sonne während des H. durchläuft, sind für die nördl. Hemisphäre: Wage, Skorpion und Schütze; für die südliche dagegen Widder, Stier und Zwillinge. Da zwischen dem 23. Sept. und dem 21. Dez. 89 Tage liegen, zwischen dem 21. März und dem 21. Juni aber 92 Tage, so kommt es, daß der H. auf der nördl. Hemisphäre etwa um drei Tage kürzer ist als auf der südlichen, ein Unterschied, welcher periodisch ist und daher rührt, daß die wirkliche Bewegung der Erde in den Monaten des Winterhalbjahres der nördl. Hemisphäre etwas rascher ist als im Sommerhalbjahr derselben. Zu erwähnen ist, daß nur für die beiden gemäßigten Zonen das Jahr in vier gleiche Jahres— zeiten sich teilen läßt. Der meteorologische Herbst ist von dem astronomischen H., welchen die Kalender angeben, verschieden; in Mitteleuropa setzt man den Anfang des erstern meist auf den 1. Okt., da die herbstliche Witterung, die durch das Verfärben und Abfallen der Blätter aller blattwechselnden Bäume, durch das Verwelken der kraut- und grasartigen Pflanzen, durch das Erscheinen gewisser Blumen (Herbstblumen) und das Reifen einer Menge Früchte charak— terisiert ist, meist erst im Oktober eintritt. In meteorolog. Hinsicht und in Bezug auf Bodenkultur, wie im allgemeinen Sprachgebrauch gelten daher als H. die drei Monate September, Oktober und November. In der Landwirtschaft begreift man unter H.“ die Zeit des Einsammelns der Früchte und namentlich wird beim Wein die Ernte oder Lese (Weinlese) als Herbst bezeichnet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 127Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 10

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Himmelskunde 6