FeedHerbert (Sidney, Lord)
GeschichteBrockhaus 1882

Herbert (Sidney, Lord), engl. Staatsmann, wurde als der Sohn des elften Grafen von Pembroke aus dessen zweiter Ehe mit einer Gräfin Woronzow 16. Sept. 1810 zu Richmond geboren. Auf der Schule zu Harrow und der Universität Oxford gebildet, trat er schon 1832 als Abgeordneter für Süd-Wiltshire ins Parlament und schloß sich hier den Konservativen unter der Führung Sir Robert Peels an. Nach der Niederlage der Whigs 1841 wurde er in dem von Peel gebildeten Ministerium zuerst zum Sekretär der Admiralität, dann 1845 zum Kriegssekretär mit einem Sitz im Kabinett ernannt. Bisher eifriger Protektionist, ging H. 1846 mit seinem Chef und der Mehrzahl seiner Kollegen in das Lager der Freihändler über und gehörte von nun an, nachdem das Ministerium den vereinten Angriffen seiner Gegner und seiner frühern Ge⸗ —1— erlegen war, zu der kleinen Schar parlamentarischer Kapazitäten, die unter dem Namen der Peeliten gemäßigt konservative Grundsätze mit einer liberalen Handelspolitik verbanden. Als im Dez. 1852 Lord Aberdeen an die Spitze der Regierung trat, ward H. abermals Kriegssekretär, in welcher Eigenschaft er die Vorbereitungen zu dem Kriege gegen Rußland zu leiten hatte. Nachdem das Mißgeschick des engl. Heers in der Krim zum Sturz des Ministeriums Aberdeen (Jan. 1855) geführt hatte, übernahm er in dem folgenden Kabinett Palmerston den Posten eines Staatssekretärs für die Kolonien, legte dies Amt aber schon nach wenigen Wochen nieder. Er blieb jetzt vier Jahre ohne Amt, und trat erst im Juni 1859 von neuem als Kriegsminister unter Palmerston ein. Bedeutende Verbesserungen der im Militärwesen herrschenden übelstände wurden von ihm eingeleitet. Am 10. Jan. 1861 zum Lord H. of Lea ernannt, trat er aus dem Unterhause in das Oberhaus über. Doch mußte er aus Gesundheitsrücksichten sein Portefeuille bald abgeben. Er starb auf seinem Schlosse Wilton 2. Aug. 1861. Zu Salisbury wurde ihm 29. Juni 1863 ein Standbild errichtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 127Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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